Haie: Positive Signale aus der Nordsee

Aktuelle Untersuchungen des Flämischen Meeresinstituts (VLIZ) und des Instituts für Landwirtschafts-, Fischerei- und Ernährungsforschung (ILVO) zeigen einen erfreulichen Trend: Die Zahl der Haie in der Nordsee nimmt wieder zu. Mehrere Arten, die lange Zeit selten geworden oder zeitweise ganz verschwunden waren, kehren in die Gewässer vor der belgischen Küste zurück – ein ermutigendes Zeichen für die Gesundheit des marinen Ökosystems.

Ein Riesenhai, eine der ikonischen Haiarten der Nordsee, filtert mit weit geöffnetem Maul planktonreiches Wasser.
Foto: Henley Spiers

Haie kehren zurück

Die langfristigen Beobachtungen von VLIZ und ILVO belegen eine zunehmende Präsenz verschiedener Haiarten in der Nordsee. Dazu gehören unter anderem:

  • Kleingefleckter Katzenhai (Scyliorhinus canicula)
  • Heringshai (Lamna nasus)
  • Hundshai (Galeorhinus galeus)
  • Weißgefleckter Glatthai (Mustelus asterias)
  • Riesenhai (Cetorhinus maximus)

Viele dieser Arten waren einst regelmäßige Bewohner der Nordsee, verschwanden jedoch infolge von Überfischung und Umweltveränderungen zeitweise aus der Region. Da sie auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet oder bedroht geführt werden, ist ihre Rückkehr von besonderer Bedeutung.

Ein Zeichen für gesündere Meeresökosysteme

Die zunehmende Zahl von Haien gilt als positiver Indikator für den Zustand der Nordsee. Als Spitzenprädatoren stehen sie am Ende der Nahrungskette und sind auf ausreichend Beutetiere angewiesen. Ihre Rückkehr deutet darauf hin, dass sich die Fischbestände erholen und Schutzmaßnahmen Wirkung zeigen.

Verbesserungen bei der Wasserqualität, strengere Fischereiregelungen und Maßnahmen gegen Überfischung scheinen Früchte zu tragen. Dass sich diese sensiblen Räuber wieder häufiger zeigen, spricht für ein insgesamt stabileres und widerstandsfähigeres Ökosystem.

H140 Haie mit Sendern ausgestattet

Um die Wanderungen und Lebensräume der Tiere besser zu verstehen, statteten die Wissenschaftler insgesamt 140 Haie mit Telemetriesendern aus. Darunter befanden sich 96 Weißgefleckte Glatthaie und 44 Hundshaie.

Die gewonnenen Daten zeigen:

  • Weißgefleckte Glatthaie, die bevorzugt küstennahe Bereiche nutzen, werden vor allem im Frühjahr und Sommer beobachtet. Im Winter ziehen sie in den Ärmelkanal.
  • Hundshaie halten sich hingegen das ganze Jahr über vor der belgischen Küste auf.

Diese Erkenntnisse helfen dabei, Schutzgebiete gezielter zu planen und den Fischereidruck in besonders wichtigen Lebensräumen zu reduzieren.

Ein Kleingefleckter Katzenhai versteckt sich zwischen Seegras.

Dem Leben der Haie auf der Spur

Trotz neuer Erkenntnisse gibt es noch viele offene Fragen zu den Wanderungen, Fortpflanzungszyklen und Lebensgewohnheiten der Nordseehaie. Deshalb setzen die Forscher auf verschiedene moderne Methoden:

  • Unterwasserkameras mit Ködern (BRUV-Systeme), um scheue Arten zu beobachten.
  • DNA-Analysen, um Ernährung und genetische Verbindungen zwischen Populationen zu untersuchen.
  • Ultraschalluntersuchungen bei trächtigen Weibchen, um die Entwicklung der Embryonen zu verfolgen.
  • Umwelt-DNA (eDNA), mit der sich Arten bereits anhand von Wasserproben nachweisen lassen.

Bürgerinnen und Bürger können mithelfen

Die Wissenschaftler appellieren auch an die Öffentlichkeit. Gelegentlich lösen sich die angebrachten Sender von den Tieren und werden an Strände gespült oder von Anglern gefunden.

Wer einen solchen Sender entdeckt, wird gebeten, ihn an das Flämische Meeresinstitut zurückzugeben. Als Dankeschön gibt es ein Erinnerungs-T-Shirt oder eine Vergütung von 30 Euro.

Gleichzeitig soll die Aktion das Bewusstsein für den Schutz der Haie stärken. Aufgrund ihres langsamen Wachstums, ihrer späten Geschlechtsreife und ihrer geringen Fortpflanzungsrate reagieren viele Haiarten besonders empfindlich auf Lebensraumverlust und Nahrungsmangel.

Fazit

Die aktuellen Forschungsergebnisse aus der Nordsee machen Hoffnung. Die Rückkehr verschiedener Haiarten zeigt, dass Schutzmaßnahmen und eine nachhaltigere Nutzung der Meeresressourcen Wirkung zeigen können.

Dennoch bleiben Haie verletzliche Tiere, deren Bestände weiterhin sorgfältig überwacht werden müssen. Wissenschaft, Naturschutz und die Unterstützung der Öffentlichkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle, damit diese faszinierenden Räuber auch künftig Teil eines gesunden Nordsee-Ökosystems bleiben.

Dieser Artikel, ursprünglich von Isabelle Croizeau für unsere Printausgabe verfasst, wurde für das Web angepasst.
Fotos: Lewis Jefferies

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