Muck Diving: ein Paradies für Makro-Fans

Schwarzer oder grauer Sand, eingeschränkte Sichtweiten und manchmal sogar etwas Müll – auf den ersten Blick wirkt das nicht gerade einladend. Von den Philippinen bis nach Indonesien findet Muck Diving trotzdem immer mehr Anhänger, die auf der Suche nach außergewöhnlichen Spezies sind. Ein Genuss für Fotografen ebenso wie für Liebhaber kleiner Lebewesen.

Was ist Muck Diving eigentlich?

Trotz der wörtlichen Übersetzung geht es beim Muck Diving keineswegs um Tauchen im Schlamm. Ein paar Konstanten gibt es aber: Der Tauchgang findet nicht auf strahlend weißem Sand statt, sondern auf Sedimenten, grauem oder sogar komplett schwarzem Vulkansand. Gerade Letzteres ist ein Vergnügen für Fotografen – der Kontrast zwischen dunklem Hintergrund und schillernden Tierfarben sorgt für besonders originelle Aufnahmen.

Die Sichtweite kann dabei sehr eingeschränkt sein, was Makrofans kaum stört: Drei Meter reichen völlig aus, wenn man sich an der Begegnung direkt vor der Linse erfreut. Und da Muck Diving meist in geringer Tiefe stattfindet, bleibt genug Zeit und Luft, um genau auf das eine Tier zu warten, das man noch nicht fotografiert hat.

Der Erfolg dieser Tauchgänge hängt zum großen Teil von der perfekten Kenntnis der Orte und Arten durch die lokalen Guides ab, die diese oft nur durch jahrelange Erfahrung erwerben.

Eine Schatzsuche unter Wasser

Muck Diving ist eine Schule der Geduld. Anders als an klassischen, artenreichen Riffen muss man hier oft lange auf einen scheinbar menschenleeren Meeresgrund blicken, bevor sich etwas zeigt – das Suchen und Stöbern gehört für viele fest zum Vergnügen dazu.

Arten, die sich in Gebieten ohne Korallenriff ansiedeln, müssen mit Fantasie konkurrieren, um sich zu tarnen: ein Stein, eine leere Muschel, eine vergessene Dose, ein Rohr oder einfach der Sand selbst dienen als Versteck. Die Belohnung ist die Wartezeit meist wert – zum großen Bestiarium des Muck Diving gehören unter anderem:

  • Leuchtkalamar
  • Geisterpfeifenfische
  • Anglerfische
  • Schaukelfische
  • Seepferdchen verschiedener Gattungen
  • Mimik-Oktopoden
  • Blaugeringelte Kraken
  • Steinfische

All diese Arten kommen zwar auch an farbenfroheren Meeresgründen vor – die Chancen auf eine Begegnung sind hier aber um ein Vielfaches größer.

Eine Prachsternschnecke, wahrscheinlich der Art Hypselodoris bullockii, in zartem Perlweiß.

Die Technik perfekt beherrschen

Eine gute Tarierung ist beim Muck Diving unerlässlich: Wer zu viele Sedimentpartikel aufwirbelt, verscheucht die Tiere oder macht sie unmöglich sichtbar. Anfänger fühlen sich ohnehin oft eher vom hellen Licht klassischer Riffe angezogen als vom unscheinbaren Sandboden.

Da man sich beim Beobachten wenig bewegt und die Tauchgänge oft lang sind, lohnt sich etwas dickere Kleidung als bei klassischen Tauchgängen – besonders bei Nachttauchgängen, wenn andere Arten ihre Tagesverstecke verlassen, um zu jagen.


Die Bedeutung des Tauchguides

In dieser Umgebung entscheidet oft der Guide über den Erfolg des Tauchgangs. Die besten kennen ihre Tauchplätze so präzise, dass sie auf 30 Zentimeter genau wissen, wohin sie führen müssen. Ihre geschärfte Beobachtungsgabe erkennt selbst zwei Augen, die kaum aus dem Sand ragen, oder einen perfekt getarnten Fisch – Dinge, die man selbst niemals gefunden hätte.

Als Fotograf lohnt sich eine kleine Gruppe: Andernfalls wird es für ungeduldige Mittaucher schnell zu langwierig, während andere eine winzige Schnecke aus allen Blickwinkeln fotografieren.

Mit einem Zeigestab können den Tauchern die aufgespürten Tiere gezeigt werden, die auf dem Untergrund manchmal nur schwer zu erkennen sind.

Fototipps von Danny Van Belle

Der belgische Fotograf Danny Van Belle verbringt jedes Jahr sechs Wochen in Lembeh und hat bei drei Tauchgängen täglich bereits mehr als ein Jahr unter Wasser verbracht. Seine wichtigsten Tipps:

  1. Tarierung perfekt beherrschen – zu viele Fotografen paddeln noch immer mit den Flossen über den Grund und ruinieren damit die Chance auf gute Bilder, für sich und für andere.
  2. Nah ran ans Motiv, besonders bei vielen Schwebeteilchen. Und: die eigene Kamera vor dem Tauchgang wirklich in- und auswendig kennen.
  3. Kreativ werden, sobald die Grundlagen sitzen – mit Beleuchtung, Snoot, Doppelbelichtungen oder ungewöhnlichen Bildausschnitten spielen, statt das immer gleiche Standardfoto zu machen.
  4. Verhalten statt nur Porträt einfangen – beim Fressen, bei der Fortpflanzung oder beim Angriff entstehen die stärksten Bilder.
  5. Ein privater Guide (max. zwei Fotografen pro Guide) ist ideal – ersetzt aber nicht die eigene Kenntnis von Arten, Lebensräumen und Verhalten.
  6. Dranbleiben: Selbst nach Jahren gibt es Überraschungen – Van Belle konnte kürzlich erstmals die Teddybären-Krabbe und den Haarigen Oktopus fotografieren, nachdem er sie zuvor nur drei Mal in seinem Leben gesehen hatte.

Sechs typische Muck-Bewohner im Porträt

Die Rumengans-Zwergseenadel (Kyonemichthys rumengani): Erst 2006 entdeckt, nur drei bis vier Zentimeter lang und kaum einen Millimeter dick – ein extrem geschultes Auge ist nötig, um sie zu finden.

Der Ader-Oktopus (Amphioctopus marginatus): Kaum größer als eine Kinderfaust, versteckt sich meist in einer Muschelschale, aus der nur die Augen herausschauen – weiß geäderter Körper und Tentakel mit weißen Saugnäpfen machen ihn besonders fotogen.

Die Prachtsepia (Metasepia pfefferi): Ihre leuchtenden Farben warnen vor einem Gift, das so stark ist wie das des Blaugeringelten Kraken. Schwimmt kaum, sondern „läuft“ fast über den Grund, tagaktiv und meist nicht länger als fünf Zentimeter.

Mimik-Oktopus (Thaumoctopus mimicus): Erst 1998 vor Sulawesi entdeckt und einzigartig unter den Tintenfischen: Er ahmt durch Form, Haltung und Verhalten andere Tiere nach – Plattfisch, Seeschlange, Rotfeuerfisch. Insgesamt kann er rund 15 verschiedene Arten imitieren.

Der Gestreifte Anglerfisch (Antennarius striatus): Mit Hautfetzen übersät und bis zu 20 Zentimeter groß, lauert er perfekt getarnt auf Beute und schnappt in Millisekunden zu.

Die Geister-Melibe (Melibe colemani): Erst 2008 vor Mabul (Malaysia) entdeckt, mit vollständig transparentem Körper – ihre inneren Organe bilden ein Netz brauner Linien, das sie extrem schwer erkennbar macht.


Neugierig geworden? In unseren Reiseziel-Artikeln stellen wir die bekanntesten Muck-Diving-Spots im Detail vor: Lembeh-Strait in Indonesien, Anilao auf den Philippinen, Bali und Cebu – jeweils mit den besten Tauchplätzen, Insider-Tipps und praktischen Infos zu Reisezeit und Kosten.

Dieser Artikel wurde von Isabelle Croizeau für OCEANS N°2 geschrieben und für das Web angepasst.
Titelfoto: Nicolas Barraqué
Fotos: Danny van Belle

Teilen Sie diesen Beitrag

Kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert