Die niederländische Küstenprovinz Zeeland zieht jedes Jahr Tausende Taucher an und gilt als beste Region Europas für Landtauchgänge. Alles ist aufs Tauchen ausgelegt: Treppen über die Deiche ins Wasser, automatische Füllstationen, kostenlose und gut ausgestattete Parkplätze. Wir stellen hier vor allem den Tauchplatz an der Oesterdam vor, wo im Sommer die Sepien brüten, die „Prinzessinnen des Deltas“.
Land im Kampf mit dem Meer
Zeeland hat im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Überschwemmungen erlebt, die Flut von 1953 war besonders tragisch. Sie machte das Motto der Region, „Luctor et Emergo“ („Ich kämpfe und tauche wieder auf“), auf traurige Weise aktuell. Danach veränderte Zeeland sein Gesicht: Die Oosterschelde wurde an der Mündung mit einem Sturmflutwehr mit beweglichen Schleusen geschlossen, neue Deiche entstanden, alte wurden verstärkt. Aus der Fischerei- und Landwirtschaftsregion wurde nach und nach ein Tourismusziel. 2002 wurde das Gebiet rund um die Oosterschelde zum größten Nationalpark der Niederlande mit 370 km².

Die Oesterdam: Brutplatz für Kopffüßer
Die beste Zeit, um den Sepien zu begegnen, ist von Mitte Mai bis Ende August. Getaucht wird gegenüber der Schleuse des Bergsche Diep, die an der Stelle der längst verschwundenen mittelalterlichen Stadt Reimerswaal gebaut wurde.
- Trotz 2 bis 3 m Tidenhub gibt es fast keine Strömung (max. 0,2 Knoten)
- Tiefe bei Hochwasser höchstens 20 m
- Für alle Erfahrungsstufen geeignet, rund um die Uhr sicher tauchbar
- Großer Parkplatz mit Chemietoiletten, Treppen über den Deich (auch bei Ebbe), Grillplätze und ein Strand, der auch Kindern gefällt
Nachttauchgänge: Der Platz ist dafür besonders bekannt, vielleicht etwas zu sehr. Es gab Berichte über Diebstähle, daher sollte nachts eine Person beim Auto bleiben. Tagsüber gibt es kein Problem. Wer sich beim Rückweg nicht sicher ist, kann oben und unten an der Treppe Knicklichter anbringen. Weiß, Rot, Grün und Blitzlampen sind verboten, damit niemand sie mit Schifffahrtsbeleuchtung verwechselt.

Die Tauchroute
1. Die Plattform: Vom Fuß der Treppe geht es mit Kurs 210–220° zu einer Plattform in rund 10 m Tiefe, einer etwa 5 × 5 m großen ehemaligen Ausbildungsplattform. Sie ist bewachsen mit Manteltieren, Schwämmen, Stachelhäutern und Pfauenfederwürmern (Sabella pavonina). Im Gitterrost voller Austern verstecken sich Butterfische, Schwarzgrundeln, Seeskorpione und Hummer. Im Sommer jagen Wittlinge junge Sepien, die sich zwischen den Austern verstecken. Am Ende der Saison dreht sich das um: Dann jagen die jungen Sepien die Wittlinge.
2. Die „Tipis“: Danach geht es in 8 m Tiefe am Fuß der Abbruchkante mit Kurs 135° entlang (linke Schulter zur Wand). Dort stehen von Einheimischen installierte Bambusstäbe in Tipi-Form, die den Sepien die Eiablage erleichtern. Vom „Bambuskäfig“ folgt man Kurs 210° zu den weiter draußen liegenden Tipis, kehrt zur Wand zurück und folgt bei den senkrechten Bambusstangen Kurs 120–125° bis zum „Kreuz“. Kreuz und Bambuskäfig sind ideale Plätze für die Sepien, und mit Glück auch für Seepferdchen (Hippocampus guttulatus).
3. Rückweg: In umgekehrter Richtung geht es in 3 bis 5 m Tiefe zurück. Auf Höhe des großen Felsens führt Kurs 030° direkt zur Treppe. Im Sommer sieht man hier Wolfsbarsche, zahlreiche Ohrenquallen, seltener Kompassquallen sowie viele Krabbenarten. Die ganze Route dauert 50 bis 70 Minuten.

Beste Reisezeit
Die Planktonblüte Anfang Mai nimmt in der Oosterschelde die Sicht stark. Zum Tauchen am besten ist die Zeit von Ende Mai bis Ende September, mit 17 bis 22 °C Wassertemperatur und meist 4 bis 8 m Sicht. Ein 7-mm-Halbtrockenanzug reicht aus. Bei Ebbe muss man über einen Teppich aus Austern laufen, dafür sind feste Badeschuhe mit dicker Sohle Pflicht.
Praktisches
Ohne Tauchbasis: Man taucht in Zeeland völlig frei und auf eigene Verantwortung. Flaschen füllt man an Automaten selbst, der nächste steht rund 10 km entfernt auf dem Camping Zeester in Scherpenisse (Gorishoeksedijk 33; 51.52815° N, 04.07593° O). Benötigt werden 50-Cent-Münzen, gefüllt wird mit Luft auf 200 bar, DIN oder INT.
Übernachten: Die meisten Taucher bleiben auf einem der vielen Campingplätze auf der Halbinsel Tholen, die oft Mobilheime vermieten, Stellplätze für Wohnmobile haben und eine Cafeteria mit Imbiss. In Zeeland ist Übernachten im Wohnmobil außerhalb von Campingplätzen verboten. Günstige Hotels gibt es vor allem in Bergen op Zoom.
Regeln: Spezielle Gesetze fürs Freizeittauchen gibt es in den Niederlanden nicht, trotzdem gelten Einschränkungen. Tauchen ist verboten:
- in markierten Fahrwassern, Häfen, Schleusen und Hafenbereichen
- in Austern- und Muschelparks
- im Umkreis von unter 25 m um Fischereibojen
- bei weniger als 100 m Sicht an der Oberfläche
- ab Windstärke 5 Beaufort
Tiere oder Pflanzen zu entnehmen, zu töten oder zu beschädigen, ist streng verboten. Ebenso dürfen keine lebenden oder toten Tiere, Netze, Speere, Harpunen oder anderes Fanggerät mit zum Tauchplatz gebracht werden. Wildern gilt in den Niederlanden als Wirtschaftsdelikt und kann Bußgelder bis zu 2 500 €, Beschlagnahme der Ausrüstung und des Fahrzeugs nach sich ziehen. Ein teurer Hummer!

Oberhalb der Wasserlinie
Der Tourismus in Tholen ist naturorientiert: Radwege auf den Deichkronen führen sicher durch Nationalpark und Feuchtgebiete mit vielen Brutvögeln, dezente Beobachtungsstände stören die Tiere nicht. Sehenswert sind die Stadt Tholen mit Hafen, das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, die Kirche und die Windmühle „De Hoop“. Windsurfende Taucher können am Oesterdam-Deich aufs Wasser, der Einstieg ist sehr einfach. Das ist eine gute Alternative, wenn Tauchen bei Windstärke 5 verboten ist.
Auf einen Blick: Oesterdam
| Beste Zeit für Sepien | Mitte Mai bis Ende August |
| Beste Tauchzeit allgemein | Ende Mai bis Ende September |
| Tiefe | max. 20 m bei Hochwasser |
| Strömung | max. 0,2 Knoten |
| Wassertemperatur | 17 bis 22 °C |
| Sicht | meist 4 bis 8 m |
| Anzug | 7-mm-Halbtrockenanzug |
| Mehr Infos zu Zeeland | jctdive.be |
Dieser Artikel wurde ursprünglich von Jean-Claude Taymans für OCEANS 1 geschrieben und für das Web angepasst.
Fotos: Jean-Claude Taymans




