Zeitenwende: Von der Taucheruhr zum Tauchcomputer – und zurück?
In Sachen Uhren dreht sich alles um die Zeit. Im ersten Teil unserer vierteiligen Serie blicken wir auf die Entwicklung von der ersten Taucheruhr bis zum Tauchcomputer – und darauf, warum die klassische Taucheruhr trotz modernster Technik ein Comeback erlebt.
Vom Tiefenmesser zur echten Taucheruhr
Tauchfeste Uhren gibt es seit dem Zweiten Weltkrieg – damals steckte man ein Rolex-Uhrwerk in ein Panerai-Tiefenmessergehäuse, um Froschmännern exakte Zeitmessung unter Wasser zu ermöglichen. Für den eigentlichen Tauchgang brauchte es das nicht: Man tauchte mit Sauerstoff-Kreislaufgeräten, ohne feste Zeitlimits.
Das änderte sich mit der Aqualung, dem ersten autonomen Tieftauchgerät, das Gagnan und Cousteau Mitte der 1940er entwickelten. Mit Pressluft kam man deutlich tiefer – und damit schnell in den Bereich, wo Dekompression nötig wurde. Tauchtiefe, Zeit und Dekopausen mussten nun exakt bestimmt werden.
Einer der ersten Sporttaucher war ausgerechnet der spätere Uhrenfabrikant Jean Jacques Fiechter. Er erkannte, dass eine einfache wasserdichte Uhr dafür nicht reicht, und beauftragte seine Firma Blancpain mit der Entwicklung der perfekten Taucheruhr. Das Ergebnis, die Blancpain Fifty Fathoms, rüstete bald die französische, amerikanische und deutsche Marine aus – und gilt bis heute als erste moderne Taucheruhr.

Doxa, Seiko und die Ära der Ikonen
Uhr, Tiefenmesser und Dekotabelle bildeten jahrzehntelang das sichere Standard-Trio. Tauchen war damals ein Abenteuer, Tiefe fast ein Statussymbol – wer als Profi galt, hatte Logbucheinträge weit über 50 Meter, Dekompression inklusive.
Nach Blancpains Rückzug Ende der 1970er übernahm die Doxa die Rolle als Referenzuhr. Die zeitgleich eingeführte Rolex Submariner dagegen wurde eher als Schmuckstück getragen. Erst die Seiko Prospex 1000 („Tuna“) verdrängte die Doxa als Zeichen des Profitauchers – als erste Taucheruhr ohne Heliumventil, beliebt bei Sättigungstauchern.


Der Sporttauchboom macht den Computer nötig
Ab Mitte der 1980er boomte das Sporttauchen: Tauchbasen entstanden am Roten Meer, auf den Malediven, in der Karibik. Dank PADI und Co. wurde Tauchen für jeden zugänglich – vom Kind bis zum Rentner. Tiefengrenzen (meist 40 Meter) wurden eingeführt, weil sich der sichere Umgang mit Dekotabellen bei nur wenigen Ausbildungstauchgängen kaum vermitteln ließ.
Für den rasanten Aufstieg des Sporttauchens war der Tauchcomputer ein Segen.
1983 kamen die ersten kommerziellen Tauchcomputer auf den Markt: der Orca Edge und das Hans-Hass-Dekobrain. Beide hatten Schwächen – der Orca Edge berechnete keine Zeit bis zum sicheren Auftauchen voraus, das klobige Dekobrain hielt dem Wasserdruck kaum stand. Durchgesetzt hat sich damals keines der beiden Geräte allein.

Foto: Kurt Amsler

Den Durchbruch brachten kompakte Quarzuhren mit elektronischem Tiefenmesser wie die Citizen Aqualand, sowie die zweite Computergeneration aus der Schweiz: Aladin und Mikro Brain. Erstmals waren die Geräte klein, wasserdicht und alltagstauglich genug für die breite Masse.
Vor- und Nachteile des Tauchcomputers
Ein Gerät ersetzte die aufwändige Tauchplanung und den Umgang mit Dekotabellen – das war der große Vorteil. Den eigentlichen Siegeszug verdankten Tauchcomputer aber dem enormen Zuwachs an Urlaubstauchern über PADI, NAUI und SSI: Ein Brevet gab es oft schon nach vier Tauchgängen in warmen, flachen Gewässern. Dekompression wurde für die meisten irrelevant – oder geriet schlicht in Vergessenheit.
Die Hersteller reagierten, indem sie ihre Computer zunehmend auf Sicherheit für weniger erfahrene und weniger fitte Taucher auslegten. Mit dem Effekt, dass sich Dekotabellen immer konservativer entwickelten: Die Nullzeit für einen 30-Meter-Tauchgang halbierte sich von rund 30 Minuten in den 1980ern auf nur noch 15 Minuten in den 2010ern. Die alte Faustregel war damit Geschichte:
90 minus doppelte Tiefe ergab überschlägig die Nullzeit.
Der Preis: spürbarer Wissensverlust rund um Dekompression und Erfahrung in größeren Tiefen. Dann kam das Tech-Tauchen mit Mischgas-Kreislaufgeräten – und stellte selbst moderne Tauchcomputer wieder vor neue Grenzen.


Und die Taucheruhr?
Sie ist weder tot noch vergessen. Aktuell erlebt sie sogar ein Comeback – bei Tauchern, die ihre Grenzen wieder in der Tiefe suchen. Mehr dazu in Teil 2 unserer Serie.
Top Ten historischer Taucheruhren – aus Sicht eines Tauchers
- Blancpain Fifty Fathoms
- Seiko Prospex 1000
- Doxa Sub 300
- Rolex Sea-Dweller
- IWC Ocean 500/2000
- Certina DS3
- Omega Seamaster
- Breitling SuperOcean
- Tag Heuer Aquaracer
- Panerai Submersible
Dieser Artikel wurde von Dietmar W. Fuchs für OCEANS N°1 verfasst und für das Web angepasst.
Fotos: Hersteller




