Wer die 60 überschreitet, muss deshalb noch lange nicht mit dem Tauchen aufhören! Dieser Sport lässt sich bis ins hohe Alter ausüben und bietet eine wunderbare Gelegenheit, aktiv zu bleiben, soziale Kontakte zu pflegen und gesund zu leben. Allerdings kann das Alter beim Tauchen ein Risikofaktor sein, der besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordert.

Foto : MaximImages / Alamy
Die Vorteile des Tauchens im Alter
Eine allgemeingültige Definition von „Alter“ gibt es nicht. Beim Tauchen zählt ohnehin oft mehr das körperliche als das kalendarische Alter. Ikonen wie Jacques Cousteau oder Albert Falco haben gezeigt, dass Tauchen auch weit jenseits der 60 möglich ist. Ob Anfänger oder erfahrene Taucher – Senioren bringen einige unbestreitbare Vorteile mit:
- Zeit: Ohne berufliche Verpflichtungen bleibt mehr Raum zum Tauchen, Reisen und für das Engagement in Tauchvereinen
- Finanzielle Sicherheit: Eine stabile Kaufkraft erlaubt es, in hochwertige Ausrüstung und Fortbildungen zu investieren
- Reife und Erfahrung: Ältere Taucher treffen überlegtere Entscheidungen, bewahren in Stresssituationen eher die Ruhe und gehen das Tauchen mit einem geschulten Blick an
Erhöhte Risiken für ältere Taucher
Nichtsdestotrotz sollte man sich auch bewusst sein, dass das Älterwerden körperliche Veränderungen mit sich bringt, die die Risiken beim Tauchen erhöhen können:
- Herzprobleme: Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, sinkende maximale Herzfrequenz
- Nachlassende Lungenfunktion: höheres Risiko für ein Tauch-Lungenödem
- Muskelabbau: weniger Kraft und Ausdauer
- Gelenkverschleiß: erhöhtes Risiko für Knochenbrüche
- Nachlassendes Seh- und Hörvermögen: Gefahr von Unaufmerksamkeit und verzögerten Reaktionen
- Schwierigkeiten beim Druckausgleich: Risiko eines Trommelfellbarotraumas
- Schwächere Thermoregulation: erhöhte Kälteempfindlichkeit
- Dehydrierung: höheres Risiko für Dekompressionsunfälle

Foto : Ali Kabas / Alamy
Die Tauchpraxis anpassen
Es geht nicht darum, eine feste Altersgrenze fürs Tauchen festzulegen, sondern darum, die Risiken zu begrenzen. Dabei helfen drei Ansätze:
I. Selbstreflexion
- Bescheiden bleiben: die eigenen Grenzen anerkennen und offen für Kritik sein.
- Klar denken: sich bewusst machen, wie sich das Altern auf die Sicherheit auswirkt.
- Neugierig bleiben: sich über neue Entwicklungen und technische Innovationen informieren.
II. Vorbeugen
- Regelmäßige ärztliche Untersuchung: Für das Tauchen ist ein jährliches ärztliches Attest erforderlich.
- Regelmäßige Bewegung: um Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit zu erhalten.
- Gesunder Lebensstil: ausgewogene Ernährung, erholsamer Schlaf, ausreichend trinken.
- Geistig aktiv bleiben: weiterlernen und sich fortbilden.
III. Anpassen
- Auf den eigenen Körper hören und Warnsignale ernst nehmen.
- Ausreichend trinken – vor und nach dem Tauchgang.
- Tauchgänge sorgfältig auswählen: einfache Tauchplätze bevorzugen, extreme Bedingungen meiden.
- Die Entsättigung optimieren: die Stickstoffbelastung begrenzen und passende Tauchprofile wählen.
- Den Aufstieg kontrollieren: eine angemessene Aufstiegsgeschwindigkeit einhalten.
- Kälte vorbeugen: einen geeigneten Neoprenanzug wählen und sich vor und nach dem Tauchgang warmhalten.
- Die richtige Ausrüstung wählen: möglichst leicht und handlich.

Foto : Nick Hanna / Alamy
Fazit
Tauchen ist eine Aktivität, die eine fundierte und verantwortungsbewusste Entscheidung voraussetzt. Ältere Taucher tun gut daran, sich zu informieren, ihre Praxis anzupassen und ihre eigenen Grenzen zu erkennen. Älter zu werden heißt auch, das Wesentliche auszuwählen und zu wissen, wann man besser verzichtet, wenn die Bedingungen nicht passen. Diese Reife ist eine Stärke – sie ermöglicht es, die eigene Leidenschaft weiterzugeben und Verbindungen zwischen den Generationen zu schaffen.
Checkliste für besonnene (ältere) Taucher
Stellen Sie sich vor jedem Tauchgang folgende Fragen:
- Hat sich mein Gesundheitszustand in letzter Zeit verändert?
- Bin ich in der Lage, mit Unvorhergesehenem umzugehen?
- Haben mir meine letzten Tauchgänge Freude bereitet?
- Beherrsche ich meine Ausrüstung, und ist sie in gutem Zustand?
- Sind die Bedingungen mit meiner Sicherheit vereinbar?
- Fühle ich mich mental im Gleichgewicht?
- Bin ich bereit, meinen Plan bei Bedarf zu ändern?
Drei Sätze, die jeder Taucher ohne Scham sagen darf
- „Heute lasse ich es sein.“
- „Ich bleibe lieber im 20-Meter-Bereich.“
- „Ich tauche zum Vergnügen, nicht wegen der Herausforderung.“

Foto : Panther Media Global / Alamy
Dieser Artikel wurde ursprünglich von Dr. Charles Honoré für unsere Print-Ausgabe verfasst und für das Internet angepasst.
Titelbild: MBI / Alamy




