Im Mai letzten Jahres bestätigte eine wissenschaftliche Veröffentlichung das Vorkommen von Quastenflossern im Molukken-Archipel – eine bedeutende Entdeckung für das Forschungsteam. Für Taucher ist die Begegnung mit Latimeria menadoensis, dem indonesischen Quastenflosser, jedoch weiterhin eine absolute Seltenheit.
Alexis Chappuis, Initiator dieses Projekts, berichtet von einem mehr als zehnjährigen Forschungsweg und der intensiven Emotion einer Begegnung mit diesem mythischen Tier.

Ein prägendes Abenteuer
Im Oktober 2024 kam es während eines Tauchgangs in 145 Metern Tiefe zu einer außergewöhnlichen Begegnung: Auge in Auge mit einem Fisch, der seit über 400 Millionen Jahren die Ozeane durchstreift.
Der Quastenflosser hat sich im Laufe seiner Evolution an extreme Tiefen angepasst und galt über Jahrzehnte als verschollen, bis 1938 erstmals ein lebendes Exemplar entdeckt wurde – eine der bedeutendsten zoologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts. 1997 wurde mit Latimeria menadoensis in Indonesien eine zweite Art beschrieben, die neue Forschungswege eröffnete.

Zehn Jahre Forschung
Die Suche von Alexis Chappuis begann im Jahr 2014. Es folgten unzählige Stunden der Dokumentation, Gespräche mit Spezialisten wie Mark Erdmann sowie intensive Trainings im Tiefseetauchen, die seinen Weg prägten.
2018 wurde die Vereinigung UNSEEN gegründet, mit dem Ziel, mesophotische Lebensräume zu erforschen. In diesem Zusammenhang erhielt das Projekt die Unterstützung des Schweizer Uhrenherstellers Blancpain.
Die Expeditionen ermöglichten wertvolle Einblicke in diese kaum erforschten Ökosysteme, waren jedoch auch mit erheblichen Herausforderungen verbunden – von logistischen Schwierigkeiten über Beschaffungsprobleme bis hin zu extremen Tauchbedingungen.
Kurs auf die Molukken
Im Jahr 2022 markierte die Expedition „Deep Reefs of the Far East“ einen entscheidenden Meilenstein. Die Molukken, im Herzen des Korallendreiecks gelegen, galten als besonders vielversprechendes Forschungsgebiet. Auch wenn der Quastenflosser bei diesen Tauchgängen nicht nachgewiesen werden konnte, gelang es dem Team, geeignete Lebensräume zu identifizieren und zahlreiche seltene Arten zu dokumentieren.
Eine weitere Expedition folgte 2023 – jedoch erneut ohne den erhofften Erfolg.

Erste Mission nach Norden
Im Jahr 2024 erhielt das Team dank Steve Watson und seiner Crew Zugang zum nördlichen Teil der Molukken. Die Tiefseetauchgänge erforderten lange Dekompressionsphasen, wodurch die Anzahl der täglichen Einsätze stark begrenzt war.
Die enge Koordination zwischen wissenschaftlichen Tauchteams und Crew erwies sich als entscheidend, um die Forschungsarbeiten unter diesen extremen Bedingungen erfolgreich durchzuführen.

Respekt vor den lokalen Traditionen
Vor jedem Tauchgang war die Zustimmung des Dorfchefs erforderlich. In den Molukken gelten noch heute traditionelle Fischereiregeln, die auf einem jahrhundertealten Wissen über das marine Ökosystem beruhen. Dieser respektvolle Umgang unterstreicht die enge Verbindung zwischen lokalen Gemeinschaften und dem Schutz der Meeresumwelt.
Erkundung bis zu 130 Metern
Die Tauchgänge folgten in dichter Abfolge und führten in eindrucksvolle Tiefenlandschaften. Trotz der anspruchsvollen Bedingungen blieb die Hoffnung auf eine Begegnung mit dem Quastenflosser stets präsent.
Am zehnten Tag entdeckte das Team einen besonders vielversprechenden Standort – doch die lang ersehnte Begegnung blieb weiterhin aus.

Die lang erwartete Begegnung
Dann, in 145 Metern Tiefe, geschieht das Unfassbare. „Ein Quastenflosser!“, ruft Julien, der Tauchpartner von Alexis. Die Entdeckung wirkt zugleich unglaublich und surreal. Vor diesem mythischen Tier scheint die Zeit stillzustehen.
Der Quastenflosser, majestätisch und gelassen, verharrt an Ort und Stelle und bietet einen unvergesslichen Anblick. Die Taucher halten den Moment fotografisch fest – doch die Emotion ist so überwältigend, dass sie vor allem eines tun: diesen einzigartigen Augenblick bewusst erleben und genießen.

Eine zweite Chance
Am nächsten Tag ist das Tier erneut anwesend und ermöglicht diesmal rund acht Minuten Beobachtungszeit. Am darauffolgenden Tag bleibt es jedoch verschwunden – eine Erinnerung daran, wie unberechenbar Wildtiere bleiben.
Das Team entscheidet sich, diese Entdeckung öffentlich zu teilen und zugleich die Bedeutung des Schutzes mariner Lebensräume zu betonen.
Fazit
Die Entdeckung des indonesischen Quastenflossers in den Molukken ist weit mehr als ein wissenschaftlicher Fortschritt – sie ist ein Appell zum Schutz der Ozeane. Als symbolträchtige Art kann der Quastenflosser eine wichtige Rolle dabei spielen, das Bewusstsein für den Erhalt mariner Lebensräume zu stärken.
Die Suche von Alexis Chappuis und seinem Team steht exemplarisch für die Leidenschaft und Ausdauer, die notwendig sind, um unser marines Naturerbe zu erforschen und zu bewahren.

Dieser Artikel, ursprünglich von Alexis Chappuis für unsere Printausgabe OCEANS #2 verfasst, wurde für das Web angepasst.
Fotos: Alexis Chappuis




