Dieses schlangenartige Tier gehört tatsächlich zur großen Familie der Fische. Auch wenn die Mittelmeer-Muräne (Muraena helena) eine maximale Größe von 1,50 Meter erreichen kann, trifft man häufiger auf Tiere von 70 bis 90 cm Länge. Sie ist auf felsigen Böden bis zu mehreren hundert Metern Tiefe zu finden und versteckt sich tagsüber, um nachts auf die Jagd zu gehen.Foto oben: © Yann Valton

- Schlechte Sicht: Das Sehvermögen der Muräne ist nicht ihre größte Stärke. Nachts ist es ohnehin nicht sehr nützlich. Sie erkennt hauptsächlich Bewegungen und Formen. Wenn sich etwas nähert, öffnet sie ihr Maul, um das Wasser zu “schmecken” und so zu analysieren, was vor ihr ist.
- Ein herausragender Geruchssinn: Die röhrenförmigen Nasenlöcher der Muräne sind mit zahlreichen kleinen Schwinghaaren ausgestattet, die alle in der Umgebung des Tieres vorhandenen Duftpartikel erfassen. Die Ausrichtung dieser Nasenlöcher ermöglicht es dem Tier, die Herkunft eines Geruchs leicht zu erkennen und somit ihre Beute mit Leichtigkeit zu finden.
- Nur eine Flosse: Die Brust- und Bauchflossen der Muräne fehlen völlig. Die Rücken-, Schwanz- und Afterflossen sind jedoch zu einer einzigen Flosse verbunden, die sich vom Hinterkopf bis zum Anus über den Körper des Tieres erstreckt. Diese einzigartige Flosse wellt sich mit den Bewegungen des Fisches und verstärkt das schlangenartige Aussehen.
- Keine Schuppen: Der Körper der Muräne hat keine Schuppen, sondern ist mit einem dicken, sehr glitschigen und schützenden Schleim überzogen. Ihre glatte Haut ermöglicht es ihr daher, sich leichter in Spalten und zwischen Felsen zu bewegen.
- Ein Unterwasser-Alien: Röntgenaufnahmen von Muränen haben gezeigt, dass sie tatsächlich einen zweiten Kiefer im Bereich des Pharynx haben. Dieser bewegliche zweite Kiefer bewegt sich sehr schnell, wenn die Muräne ihr Maul öffnet und eine Beute ergreift, was ihr ermöglicht, diese tief in den Rachen zu ziehen, ohne ihr eine Fluchtchance zu lassen.
- Kein Zahnarzt nötig: Die scharfen Zähne der Muräne sind immer äußerst effizient. Das Tier hat einen besonderen Partner, der immer in ihrem Unterschlupf ist, um sich um sie zu kümmern: den Putzerkrebs (Lysmata seticaudata). In dieser kommensalen Verbindung profitiert die Muräne von einer regelmäßigen Reinigung ihrer Zähne und der Krebs erfreut sich an all der so gesammelten Nahrung.
- Kann sich „Knoten in den Magen“ machen: Die Muräne verwendet eine außergewöhnliche Technik, um große Beutestücke wie z.B. Oktopusbeine zu zerreißen. Sie bildet eine Art Knoten am Ende ihres Schwanzes. Sie bewegt diesen Knoten durch wellenförmige Bewegungen ihres Körpers nach oben, und sobald er den Kopf erreicht, schleudert sie ihn heftig nach hinten und nutzt die Kraft ihres Körpers, um ihre Beute zu zerteilen.
- Ein Wachstum voller Verwandlungen: Die Fortpflanzung erfolgt in der Sommerzeit, während der Tausende von Eiern weit im Meer freigesetzt werden. Das Schlüpfen bringt winzige Leptocephali-Larven (die aussehen wie Weidenblätter) hervor, die den Strömungen folgen, bevor sie nach der Metamorphose zum Erwachsenenstadium die felsigen Untergründe zurückerobern.
- Ein missverständlicher Name: Der Volksname der Muräne stammt aus dem Altfranzösischen moreine, das sich vom lateinischen muraena ableitet. Der lateinische Name muraena stammt wiederum aus dem Altgriechischen, was Aal bedeutet.
- Ein schlechter Ruf: Der Ruf der Muräne stammt wahrscheinlich aus den Schriften von Plinius dem Älteren, der berichtete, dass im 1. Jahrhundert v. Chr. der wohlhabende römische Geschäftsmann Vedius Pollio es liebte, seine Feinde und Sklaven in mit Muränen gefüllte Becken zu werfen. Heute sind Fischer immer noch vorsichtig gegenüber dem Tier, das dennoch schmerzhafte Verletzungen verursachen kann, die leicht infizieren.
Fabien Valladier





