In den Tiefen der Gewässer rund um Ambon erwartet uns ein faszinierendes Abenteuer. Begleitet werden wir von Benito, einem indonesischen Unterwasserexperten mit einem außergewöhnlichen Blick für die verborgenen Schätze des Ozeans. Tauchen wir ein in die faszinierende Welt der Moostierchen und entdecken wir die unerwarteten Wunder, die sich im Verborgenen abspielen.
Die Bryozoen: eine Welt zum Erforschen
Bryozoen, auch Moostierchen genannt, sind nahezu überall zu finden – besonders in dunklen Bereichen, Höhlen und unter Felsüberhängen. Sie treten in unterschiedlichsten Formen auf: krustenartig, verzweigt oder als filigrane Netzstrukturen.
Zu den bekanntesten Vertretern gehört die sogenannte Neptunspitze, insbesondere im Mittelmeer, wo sie möglicherweise zu den am häufigsten bekannten Arten dieser Gruppe zählt.

Entdeckung in den Molukken
Willkommen in den Molukken! Hier zeigt sich die Neptunspitze in strahlendem Weiß – ganz anders als die atlantisch-mediterrane Form, die eher lachsrosa gefärbt ist. Diese Variante gehört zur Gattung Triphyllozoon.
Für einen Anfänger wie mich ist es eine Herausforderung, die einzelnen Arten voneinander zu unterscheiden. Bei genauerer Betrachtung lassen sich jedoch bemerkenswerte Unterschiede erkennen: etwa die feinen weißen Fäden, die die kalkhaltige Kolonie umgeben und sie von Reteporella grimaldii unterscheiden.
Die Schulung des Blicks ist entscheidend! Dank des Makroobjektivs meiner Kamera kann ich diese faszinierenden Details sichtbar machen und die verborgene Welt der Bryozoen erkunden.
Eine wertvolle Hilfe
Lange dachte ich, ich könne kleine Lebewesen unter Wasser selbstständig entdecken. Doch dann kommt Benito ins Spiel – mit seinen außergewöhnlich geschulten Augen. Er weiß genau, wonach er suchen muss und wo sich die Tiere verstecken.
Mit einem kleinen Stück Draht fordert er mich auf, die Oberfläche der Bryozoenkolonie genauer abzusuchen. Nach einigen Minuten konzentrierter Beobachtung entdecke ich tatsächlich einen winzigen Grundel, dessen dunkle Zeichnung perfekt mit der Struktur seines Wirts verschmilzt (Foto 3).
Benito erklärt mir, dass sich in nahezu jeder Kolonie, die während des Tauchgangs entdeckt wird, eine solche Grundel befindet. Man muss nur wissen, wo man hinschauen muss!
Eine weitere Entdeckung
Doch Benito hat noch weitere Überraschungen parat. Er zeigt mir auch einen mikroskopisch kleinen Pistolenkrebs aus der Familie der Alpheidae. Das nur 10 mm große Tier zu fotografieren, das am Ende eines winzigen Tunnels innerhalb der Bryozoenkolonie versteckt lebt, ist eine echte Herausforderung.
Mehr als eine Viertelstunde widme ich diesem Motiv. Dank des Nitrox kann ich meinen Tauchgang verlängern und mich intensiver mit diesem außergewöhnlichen Lebewesen beschäftigen, ohne frühzeitig wegen des Atemgasmanagements auftauchen zu müssen.

Eine endlose Erforschung
Ich dachte, ich hätte unter Wasser bereits fast alles entdeckt, was es zu sehen gibt. Doch dieser Tauchgang zeigt mir einmal mehr, wie viel es noch zu erforschen gibt. Jeder Abstieg bringt neue Überraschungen ans Licht – und die faszinierende Welt der Bryozoen beginnt gerade erst, ihre Geheimnisse preiszugeben.
Fazit
Das Tauchen in Ambon, begleitet von Benito, ist eine wahre Blickschule. Die oft übersehenen Bryozoen verbergen eine faszinierende Welt voller kleiner Spezialisten und unerwarteter Beziehungen.
Jeder Tauchgang lädt dazu ein, genauer hinzusehen und eine außergewöhnlich vielfältige Unterwasserwelt zu entdecken, in der selbst die kleinsten Details eine große Geschichte erzählen.
Dieser Artikel wurde ursprünglich von Stephen Weinberg für unsere Printausgabe verfasst und für die Webversion angepasst.
Fotos: Stephen Weinberg




