⚠️ Hinweis: Dieser Artikel enthält Berichte und Fotos über den kommerziellen Walfang, die als verstörend empfunden werden können. Wir bitten um entsprechende Achtsamkeit beim Lesen und Weiterscrollen.
Island hat die Jagd auf Finnwale wieder aufgenommen. Innerhalb weniger Tage starben sechs der bedrohten Meeresriesen – im Auftrag eines einzigen Mannes: des isländischen Millionärs Kristján Loftsson. Laut der Captain Paul Watson Foundation UK (CPWF) waren bei einem der jüngsten Fänge sogar drei Harpunenschüsse nötig, um ein Tier zu töten.

Eine Lizenz mit fragwürdiger Vorgeschichte
Möglich macht den Walfang eine Lizenz, die unter zweifelhaften Umständen zustande kam. Nachdem 2023 wegen dokumentierter Tierschutzverstöße nur 24 Tiere gefangen worden waren, klagte Loftsson gegen den Staat. Die zuständige Ministerin, die das damalige Fangverbot verhängt hatte, geriet politisch unter Druck und trat zurück. Im Dezember 2024 genehmigte der bereits abgewählte, nur noch geschäftsführend amtierende Premierminister Bjarni Benediktsson – kurz vor Ende seiner Amtszeit – eine neue Fanglizenz mit einer Laufzeit von fünf Jahren, bis 2029. In isländischen Medien war offen von Korruption und Machtmissbrauch die Rede.
Die ursprüngliche Quote erlaubte bis zu 209 Finnwale und 217 Zwergwale pro Jahr – über 2.000 Tiere in fünf Jahren, ohne weitere politische Entscheidung. Für 2026 wurde die Finnwal-Quote zwar wegen unsicherer Bestandszahlen um 28 Prozent auf 150 Tiere gesenkt, die Lizenz selbst bleibt davon jedoch unberührt.
Dokumentierte Tierschutzverstöße
Die isländische Lebensmittel- und Veterinärbehörde MAST hatte 2022 und 2023 Aufnahmen der Jagd ausgewertet: Nur rund zwei Drittel der Wale starben sofort, im Schnitt dauerte es etwa 11,5 Minuten bis zum Tod. In einem Fall kämpfte ein Tier 35 Minuten, in einem anderen zwei Stunden. Mehrfach wurden Wale wiederholt harpuniert, darunter auch ein trächtiges Weibchen. Trotzdem wurde die zeitweise Aussetzung der Fanglizenz nach Protesten der Walfangindustrie wieder aufgehoben – ohne Nachweis, dass sich an den Jagdmethoden etwas geändert hätte.
Saison 2026: Sechs Tote in kurzer Zeit
Nach zwei ausgefallenen Saisons lief die Flotte von Hvalur hf. Mitte Juni 2026 erneut aus. Bereits drei Tage später, am 23. Juni, harpunierte das Fangschiff „Hvalur 9“ die ersten beiden Wale der Saison. Kurz darauf stieg die Zahl auf sechs. CPWF UK dokumentiert die Jagd seit 2018 vor Ort und berichtete von einem Tier, das erst nach drei Harpunenschüssen starb – ein Muster, das sich mit den Befunden von MAST aus den Vorjahren deckt.

Ein Geschäft ohne Markt
Wirtschaftlich ergibt die Jagd kaum noch Sinn: Japan, einst Hauptabnehmer von isländischem Walfleisch, jagt seit 2024 wieder selbst und kauft kaum noch zu. Hvalur hf. schreibt seit Jahren Verluste. Beobachter vermuten daher politische statt wirtschaftliche Motive – etwa als Symbol nationaler Souveränität vor wichtigen politischen Entscheidungen.
Die Zeit läuft
Im August stimmt Island über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen ab; als EU-Mitglied wäre kommerzieller Walfang nicht mehr möglich. Zudem hat die Regierung unter Premierministerin Kristrún Frostadóttir für Herbst 2026 ein Walfangverbot angekündigt, alle drei Regierungsparteien lehnen die Jagd ab. Auch in der Bevölkerung wächst die Ablehnung. Doch solange die Lizenz bis 2029 gilt, kann jede Saison ohne weitere politische Entscheidung gejagt werden.

CPWF vor Ort: Das Schiff „Bandero“
Im Rahmen der Kampagne „Operation 86“ – benannt nach der Aktion von 1986, bei der zwei Walfangschiffe Loftssons außer Gefecht gesetzt wurden – ist die Captain Paul Watson Foundation in diesem Sommer erneut aktiv. Das Foundation-Schiff „Bandero“ ist von Irland aus auf dem Weg in isländische Gewässer, um die Fangschiffe zu beobachten und mit Mitteln der gewaltfreien Konfrontation zu blockieren.
Gründer Paul Watson erklärt dazu: Er setze sich seit 1986 gegen den Walfang in Island ein und habe die Aktivitäten Loftssons seither mehrfach blockiert – zuletzt 2023, 2024 und 2025. Auch 2026 wolle man die Jagd erneut stoppen, mit der Hoffnung, sie diesmal endgültig zu beenden.

Quelle: Bericht der Captain Paul Watson Foundation Germany




