„Meine Prousts’che Walfisch“, „Der kleine rote Chipiron“, „Bonite und Clyde“… Der Humor von Fräulein Roze trifft ins Schwarze mit seinen maritimen Wortspielen und seinen hochwertigen Gravuren. Das Team von TAUCHEN! traf die Künstlerin aus Sète in ihrem Atelier, um ihre innovative Sicht auf die Meereswelt zu entdecken.

Von Toulon nach Sète: Eine unzerbrechliche Verbindung zum Meer
Deine Werke stellen alle Meerestiere dar. Welche besondere Beziehung pflegst du zu diesem Umfeld? Tauchen, Apnoe, tiefe Liebe?
„Ein bisschen von allem… Im Ernst, ich bin in Toulon geboren, habe mit Blick auf das Meer gelebt. Als Kind ging ich mit meinem Großvater fischen, einem Mann mit unübertroffener Leckermauligkeit. Er hat mich in die Welt des Fische-Couscous eingeführt, mein Lieblingsgericht. Das Meer und seine Fauna sind ein integraler Bestandteil meines Wesens, meiner Geschichte.“

Die Gravur: Von einer lustigen Idee unter Freunden zur künstlerischen Leidenschaft
Wann hast Du mit dem Gravieren begonnen?
„Ich habe 2010 in meiner Küche angefangen, auf verschiedenen Untergründen. Dann habe ich im Künstleratelier den Birnbaum und die ganze Palette der Linoleums (Leinöl, Holzmehl, Kork, Harze…) erforscht. Ich habe dann beschlossen, es nicht zum Beruf zu machen, um die Spontaneität und Lust zu bewahren, ohne Routine.

Es begann als lustige Idee mit Freunden bei einer Flasche Rosé und dem Ausdruck „Deine Mutter, die Drachenfisch“. Dieser Fisch wurde unser „Totem-Tier“. Dann folgten die anderen Viecher… Heute sind wir fast bei fünfzig!“
Sète, Quelle der Inspiration: Licht, Hafen und mediterrane Atmosphäre
Warum hast du dieses Thema gewählt? Was hat dich in dieses Universum geführt?
„Die Kulisse und der Dekor. Sète, wo ich seit über 20 Jahren lebe, und seine Bewohner inspirieren mich: sein Licht, sein Hafen, seine Markthallen, seine Bars… Das kommt natürlich, mein mediterranes Temperament tut den Rest.“

Einflüsse und Kreativprozess: Von den 80er Jahren zur Art Brut
Woher nimmst du deine Inspiration? Was ist der Ausgangspunkt für deine Werke?
„Im Magazin TAUCHEN! (Lachen) Es ist ein bisschen geheimnisvoll… Sagen wir, dass alles, was mich nährt, meine Einflüsse, sich in meiner Arbeit widerspiegelt. Die 80er-90er Jahre sind ein Jungbrunnen. Kind des Fernsehens, zitiere ich Dorothée, durch die wir unsere Mittwochnachmittage vor der Glotze verbrachten!
Art Brut inspiriert mich, die Gravuren von Picasso, Gauguin… Ich habe es immer geliebt, zu lachen, ein bisschen gegen meinen Willen. Eine Art Pierre-Richard-Syndrom!“

Arbeitest du alleine an der Entwicklung neuer Ideen?
„Meistens, ja. Aber ab und zu mache ich ein Brainstorming. Ich teile die Idee, diskutiere sie, wir zerren und drehen sie, um ein Highlight hervorzuzaubern… Und manchmal gelingt es!“
Von der Idee zum Druck: Ein akribischer Prozess
Kannst du uns deinen Schöpfungsprozess erläutern?
„Einfach ausgedrückt, der Fisch muss grafisch sein und das Wortspiel soll ein Lachen hervorrufen oder mich berühren. Dann zeichne ich ihn auf seinen Träger (wie einen Stempel), schneide ihn mit Sticheln (oder Holzmeißeln), inke ihn mit einer Walze und drucke ihn. Das geht nicht so schnell! Ein Druck kann in 1 Woche oder in 1 Monat entstehen. Manchmal werden Werke abgebrochen.“
Naturalistische Künstlerin? Figurativ, aber nicht realistisch
Deine Zeichnungen sind präzise. Betrachtest du dich als naturalistische Künstlerin?
„Ich sorge dafür, dass die Kreatur erkennbar, figurativ ist, ohne ins Realistische zu verfallen. Ich bewundere Künstler, die die Natur perfekt imitieren. Das ist nicht mein Kredo. Ich bleibe der Skizze treu, erlaube mir Unfälle beim Gravieren und liebe das rohe Ergebnis der Linogravur oder Holzschnitt. Ich verehre das Schwarz und diesen vibrierenden Strich.“
Der Drachenfisch: Ein unerwartetes Selbstporträt
Welche Gravur repräsentiert dich am besten? Warum?
„Findest du, dass ich wie ein Fisch aussehe?! (Lachen) Ohne zu zögern, der Drachenfisch! Es war der erste, der aus der Presse kam und die Idee hat gefallen. Und vielleicht auch, weil er mir ähnelt: kleinwüchsig, rundkopf und viele Stacheln!“
Wortspiel oder Tier: Die Inspiration beim Apéro
Ist es einfacher, von einem Wortspiel oder einem Tier auszugehen?
„Beides, mein Kapitän! Es hängt vom Apéro ab! (Lachen) Es gibt keine Regeln, nichts ist festgelegt. Man muss neugierig, aufmerksam sein und den Moment ergreifen. Mein Kompass bleibt das Lachen.“
Humor und Sensibilisierung: Ein Hebel für den Meeresschutz?
Kann Humor für den Schutz der Meereswelt sensibilisieren?
„Ja, natürlich: Humor kann allen Anliegen dienen. Dennoch hat diese Arbeit nicht diesen Anspruch. Jeder ist frei, darin zu sehen, was er will.“
Zukünftige Projekte: Entdeckung, Begegnungen und Tauchen
Wie stellst du dir die Zukunft vor? Welche Projekte hast du?
„Das Meeresuniversum weiter erkunden, Techniken vertiefen, schöne Begegnungen machen, neue Partnerschaften mit Weingütern eingehen, Street Art praktizieren, Ausstellungsorte für meine Großformate nutzen, Drucke einzigartiger Stücke erwägen… und schließlich einen Tauchgang wagen!“
Der ultimative Traum: Von seiner Kunst leben
Was ist dein größter Traum?
„Von meiner Kunst ausschließlich leben zu können. Der Traum aller Künstler…“
Die Webseite
MelleRoze.com
Fräulein Roze: Wichtige Daten
- 1978 : Geburt in Toulon
- 2000 : BTS in visueller Kommunikation; Umzug nach Sète.
- 2016 : Geburt ihrer Tochter und ihrer „Zornesfalte“!
- 2010 : Entdeckung der Gravur; Schaffung der „Bestioles de ta mer“.
- 2020 : Lockdown mit starker Druckproduktion in ihrem Atelier.
Dieser Artikel, ursprünglich von Fabien Valladier für die Printausgabe von TAUCHEN! geschrieben, wurde für das Web adaptiert. Fotos © Fräulein Roze




