Luftgestützte Erfassung der marinen Biodiversität in Französisch-Polynesien: REMMOA II

Fünfzehn Jahre nach der ersten Erfassungskampagne der pelagischen Fauna per Luftüberwachung nimmt sich das Programm REMMOA II erneut den Zustand der marinen Biodiversität vor den polynesischen Inseln vor. Ziel des Projekts: die Auswirkungen menschlicher Belastungen und des Klimawandels auf pelagische Arten zu bewerten.

Eine Bestandsaufnahme

Die im Januar 2023 auf Tahiti gestartete Kampagne REMMOA II (Recensement des Mammifères marins et autre Mégafaune pélagique par Observation Aérienne, zu Deutsch: Erfassung von Meeressäugern und anderer pelagischer Megafauna durch Luftbeobachtung) knüpft an die erste Mission aus dem Jahr 2011 an. Diese erste Kampagne lieferte damals Schätzungen zu Verbreitung und Bestand pelagischer Arten in einem Meeresgebiet, das fast die Hälfte der französischen Hoheitsgewässer umfasst. Angesichts wachsender Umweltbedrohungen ist es heute umso wichtiger, diese Daten auf den neuesten Stand zu bringen.

Geleitet wird das Programm vom Observatoire Pelagis in Zusammenarbeit mit der Universität La Rochelle und dem CNRS, finanziell unterstützt vom französischen Amt für Biodiversität. Auch Sponsoren wie das Aquarium von La Rochelle und die Stiftung Léa Nature sowie Partner wie Air Tahiti Nui und Getac tragen zur Umsetzung der Mission bei.

Ein riesiges Gebiet

Das rund fünfzehnköpfige Forschungsteam wird in den kommenden drei Monaten mehr als 850.000 km² überfliegen. Die Beobachtung aus der Luft macht es möglich, eine derart große Fläche in kurzer Zeit abzudecken. Dank standardisierter Erhebungsmethoden lassen sich die gesammelten Daten direkt mit denen früherer Missionen vergleichen.

Sophie Laran, Forschungsingenieurin, betont, wie wichtig die Zusammenarbeit mit lokalen NGOs wie „Te mana o te moana“ und „SOP-Manu“ für das Projekt ist. Die meisten Beobachterinnen und Beobachter wurden vor Ort rekrutiert und ausgebildet – so wird die lokale Gemeinschaft aktiv in das wissenschaftliche Projekt eingebunden.

Meeresarten im Fokus

Im Mittelpunkt der Kampagne steht die Bestandsaufnahme von Verbreitung und Vorkommen der Meeressäuger. Buckelwale kommen zwar in der Region vor, werden bei dieser Mission jedoch nicht erfasst: Ihre Hauptaktivitätsphase fällt in den südlichen Sommer – eine Jahreszeit, die sich für Überflüge nicht eignet.

Neben den Meeressäugern richtet die Kampagne ihr Augenmerk auch auf Schildkröten, Rochen, Haie und große, an der Oberfläche sichtbare Fische sowie auf Seevögel und fliegende Fische. Wichtig zu wissen: Es handelt sich um eine Stichprobenerhebung, nicht um eine vollständige Bestandsaufnahme. Die Überflüge erlauben es dennoch, bevorzugte Lebensräume zu identifizieren und beobachtete Bestandsdichten mit bestimmten Gebieten in Verbindung zu bringen – insbesondere solchen, die von menschlichen Aktivitäten wie Fischerei und Umweltverschmutzung betroffen sind.

Auf dem Weg zu einem fundierten Naturschutz

Eine der wichtigsten Neuerungen von REMMOA II ist die Analyse der Wechselwirkungen zwischen Tieren und menschlichen Aktivitäten. Ziel ist es, vorrangige Gebiete für den Artenschutz zu identifizieren. Ergänzend zur Bestandsaufnahme ist im Rahmen des REMMOA-Projekts eine Doktorarbeit angesetzt, die die Verbreitung von Megafauna-Arten im Verhältnis zu ihrer Umwelt genauer untersuchen soll. So lassen sich bestehende Schutzmaßnahmen – etwa Meeresschutzgebiete und Küstenschutzzonen – gezielt untermauern.

Nach Abschluss der Expedition Mitte Mai brauchen die Forschenden mehrere Monate, um die gesammelten Daten auszuwerten. Ziel der Auswertung: das Wissen über die pelagische Fauna erweitern und daraus geeignete Schutzstrategien ableiten.

Ein umfassendes Programm

REMMOA II ist Teil eines größeren Programms, das 2008 in den französischen Tropengewässern ins Leben gerufen wurde. Der aktuelle Zyklus startete 2017 in den französischen Antillen und in Französisch-Guayana. Neben Französisch-Polynesien umfasst er auch den Südwesten des Indischen Ozeans sowie den Südwesten des Pazifiks – insgesamt mehr als vier Millionen Quadratkilometer Meeresgebiet.

Fazit

Das Programm REMMOA II markiert einen bedeutenden Fortschritt für das Verständnis der marinen Biodiversität in Französisch-Polynesien. Durch die Kombination aus Luftbeobachtung und lokaler Zusammenarbeit will die Initiative eine solide Grundlage für den Schutz mariner Arten angesichts der aktuellen ökologischen Herausforderungen schaffen. Die Ergebnisse dieser Mission werden künftige Maßnahmen zum Schutz und zur Bewirtschaftung der Meeresressourcen entscheidend mitprägen.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Isabelle Croizeau für unsere Printausgabe verfasst und für das Internet angepasst.

Fotos: Vincent Truchet

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