Guadeloupe: ein Schoner aus dem 19. Jahrhundert enthüllt seine Geheimnisse

Eine Schiffswrack zu identifizieren kann manchmal Jahre dauern, und je älter es ist, desto mehr wird das Kennenlernen seiner Geschichte und das Aufdecken seiner Geheimnisse zur Herausforderung. Jean-Sébastien Guibert, Dozent für Geschichte und Archäologie an der Universität der Antillen, beschloss, diese Herausforderung vor zwei Jahren mit der Anémone, einer Schoner der königlichen Marine, die im 19. Jahrhundert während eines Zyklons in der Reede von Terre-de-Haut, auf den Saintes, Guadeloupe, gesunken ist, anzunehmen. “Es ist das einzige Schonerwrack, das zugänglich ist und ausgegraben werden kann.

Eine erste Sondierungsoperation wurde 2015 gestartet, mit dem Ziel, die Hypothesen über den Schiffsnamen zu bestätigen und jede Teil des Wracks genau zu lokalisieren. Zu diesem Zweck, begleitet von den professionellen Tauchern des Vereins Archéologie des Petites Antilles (AAPA), folgte der Forscher vielen Spuren: „wir haben uns auf Archive gestützt, die das Schiff erwähnen, wir haben Artillerieelemente, Mobiliar aus dem 19. Jahrhundert, Bleikugeln, Säbel aus dieser Zeit entdeckt, und wir haben auch die Form des Rumpfes untersucht, die für einen bestimmten Typ von Schoner dieses Jahrhunderts charakteristisch ist.“

Die Sondierungen 3 und 4 mit einigen Tauchern beim Wrack der Anémone © Olivier Bianchimani AAPA-AIHP GEODE-Septentrion
Die Sondierungen 3 und 4 mit einigen Tauchern, die auf dem Wrack der Anémone © Olivier Bianchimani AAPA/AIHP GEODE-Septentrion

Finanziert vom Ministerium für Forschung, der Region Guadeloupe, der Gebietskörperschaft Martinique, der DMPA (Direktion für Erinnerung, Erbe und Archive des Verteidigungsministeriums) und genehmigt durch das DRASSM (Abteilung für Unterwasserarchäologie des Kulturministeriums) werden seither jeden Sommer Ausgrabungen organisiert. Sie sind Teil eines größeren Projektes mit dem Titel „Geschichte und maritime Archäologie der Kleinen Antillen“ (HARCMAR), das im Labor AIHP GEODE der Universität der Antillen entwickelt wurde.

Ihr Ziel? Noch wenig bekannte Elemente dieses Zollschiffes der Königlichen Marine, aber auch Objekte, Spuren des Alltagslebens der Matrosen oder Soldaten an Bord, zu finden. Aber obwohl das Wrack nur 25 Meter tief liegt, bleibt diese Arbeit mühsam, wie Jean-Sébastien Guibert erklärt: „der Standort wurde in der Vergangenheit viele Male geplündert, sodass ein Großteil des Mobiliars verschwunden ist und das, was heute übrig bleibt, nur wenig repräsentativ für das ist, was wir suchen.

Dennoch konnten zahlreiche Objekte aller Art aus dem Wasser geholt werden, sorgfältig inventarisiert und konserviert oder behandelt: „2015 fanden wir einen sehr schönen Steinzeugkrug, 2016 eine Kupferkiste, die dazu diente, Speisen in der Küche warm zu halten, eine Weinflasche mit dem Korken noch drauf – aber untrinkbar für jene, die sich fragen könnten – oder auch sehr schöne Stielgläser.

Ein rheinischer Steinzeugkrug aus dem frühen 19. Jahrhundert, der auf dem Wrack der Anémone während der Ausgrabungen gefunden wurde © Jean-Sébastien Guibert AAPA-AIHP GEODE
Ein rheinischer Steinzeugkrug aus dem frühen 19. Jahrhundert, der auf dem Wrack der Anémone während der Ausgrabungen gefunden wurde © Jean-Sébastien Guibert AAPA/AIHP GEODE

Diesen Sommer konzentrierten sich die Ausgrabungen auf das Heck des Schiffes, in der Nähe des Bereichs, wo sich das Quartier der Offiziere (des Kapitäns und des Chirurgen) befand, bestimmt durch einige an Ort und Stelle gefundene Elemente wie ein Säbelgehäuse und feines Geschirr (Teller, Stielgläser usw.). Beim Studium der Kiel und der Spanten entdeckten die 14 in dieser Kampagne engagierten Taucher ein prächtiges Steuerruder, fast vollständig und fast 3 Meter lang.

Die nächsten beiden Kampagnen, in 2018 und 2019, versprechen ebenso schöne Entdeckungen im zentralen Teil und am Bug des Wracks. „Es erwartet uns eine neue Herausforderung mit einem sehr schwer zugänglichen Teil aufgrund des verdichteten Holzes. Diese Arbeit wird zweifellos kompliziert, aber ebenso spannend sein“, meint Jean-Sébastien Guibert.

Margot HartyEröffnungsfoto © Claude Michaud AAPA/AIHP GEODE

 

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