Bereiten Sie sich auf ein außergewöhnliches Taucherlebnis vor! Das ehemalige Schieferbergwerk Felicitas, seit 2018 für abenteuerlustige Taucher zugänglich, bietet ein beeindruckendes Schauspiel: Gabelstapler, Bagger, versunkene Tunnel und sogar eine Kapelle, ganz zu schweigen von den Schildern, die an die früheren Explosionsgefahren erinnern.

Vorbereitung und Reise
Begleitet wurde ich von meinem treuen Kameraden Willem Verrycken, der sich darum gekümmert hatte, unseren Besuch anzukündigen (eine notwendige Bedingung für den Zugang zur Stätte), und machte mich auf eine 3,5-stündige Reise von Belgien in die Region Sauerland.
Lage und Geschichte
Die Mine Felicitas befindet sich etwa 2 km nordwestlich von Bad Fredeburg, einem Kneipp-Kurort, in der kleinen Stadt Schmallenberg (etwa 4000 Einwohner). Eröffnet im Jahr 1850, gehörte sie zunächst Hesse & Schneider KG bis 1990, bevor sie an Magog GmbH & Co. KG verkauft wurde, das Unternehmen, das heute die einzige noch in Betrieb stehende Mine in Nordrhein-Westfalen betreibt.

GPS-Koordinaten:51°.198974 N, 008°.273033 E
Unterirdische Erkundung: Ein Bergwerk in zwei Teilen
Der Tauchgang beginnt mit einem Abstieg entlang eines geneigten Schachts von 130 Metern, wobei man einer Führungsleine folgt. Dieser Schacht führt zur ersten Ebene, etwa 30 Meter tief, wo sich der Großteil der Mine befindet. Nach etwa 7 Minuten Abstieg erreicht man eine erste T-Kreuzung, die den Beginn der eigentlichen Erkundung markiert.

- Moderner Teil: Nach links abbiegen führt man in den neueren Abschnitt, in dem der Bergbau mechanische Sägen und Dieselfahrzeuge benutzte.
- Alter Teil:Nach rechts abbiegen entdeckt man den Teil der Mine, in dem der Schiefer mit Sprengstoff gewonnen wurde, mit schmaleren Tunneln und einem „groteskeren“ Aussehen.
Ein tieferer Abschnitt, zwischen 45 und 48 Metern, erstreckt sich über etwa 150 Meter. Er resultiert aus dem Versuch, eine andere Schieferader auszubeuten, die wegen der unzureichenden Materialqualität aufgegeben wurde. Insgesamt über 2000 Meter Führungsleine markieren die Haupttunnel, erleichtern die Navigation. Es ist auch möglich, sekundäre Galerien und große Säle mit Hilfe einer eigenen Spule zu erkunden.
Briefing und Ausrüstung
Vor dem Tauchgang hielt Wolfgang, der Instrukteur und Betreiber der Anlage, eine ausführliche Einweisung, um unsere Erkundung zu planen. Wir zogen unsere Rebreather und Heizanzüge an, unerlässlich im 9°C kalten Wasser. Die letzten Ausrüstungsüberprüfungen gingen der Immersion voraus.

Willem ging als Erster in den Schacht, der bis zu 30 Meter recht steil war. Die Sicht war durch den Durchgang anderer Taucher eingeschränkt. Wir folgten der Führungsleine tastend und legten unsere Dekompressionsflaschen auf 12 und 20 Metern ab.
Auf 26 Metern, an der Kreuzung der beiden Teile der Mine, folgten wir unserem Plan und bogen nach links ab, zur mechanisierten Abbauzone. Gewaltige Maschinen liegen im Dunkeln: Bagger, Gabelstapler und eine große Sägeklinge. Nach einigen Erinnerungsfotos setzten wir unseren Weg durch Galerien fort, gestützt von Metallprofilen, die Rostwolken erzeugten. Nach 35 Minuten war es Zeit, umzudrehen und unsere obligatorische Dekompression im Schacht vorzunehmen.
Erzählung von Geschichte und Abbau
Während einer zweistündigen Kaffeepause erzählte uns Wolfgang die Geschichte der Mine. Eröffnet mit einem geneigten Schacht von 130 Metern und einem Lüftungsschacht, besteht sie aus zwei Ebenen auf 32 und 46 Metern. Ursprünglich transportierten ein Flaschenzug und ein Wagen den Stein zur „Spalthaus“. Der Abbau erfolgte in Kammern (15m lang, 4-5m hoch). In den 70er Jahren kam es mit mobilen Sägen und hydraulischen Spaltmaschinen zur Mechanisierung.

Der während des ersten Tauchgangs erkundete Teil wurde bis 1994 abgebaut. Der rechte Gang führt zum alten Teil, der seit 1850 mit Dynamit und von Hand abgebaut wurde. Der Abbau bei Felicitas endete Anfang der 2000er. Das Abschalten der Pumpen führte schnell zu einer Flutung der Tunnel, die eine konstante Temperatur von 9°C bewahren. Die ersten Erkundungen fanden im Januar 2017 statt, und der Standort ist seit Juli 2018 für die Öffentlichkeit zugänglich, verwaltet von Bergwerktauchen Felicitas UG.
Zweiter Tauchgang: Erkundung des alten Teils
Am Nachmittag unternahmen wir einen zweiten Tauchgang, diesmal mit dem angeschlossenen Heizanzug! Ziel war es, den ältesten Teil der Mine zu erkunden.

Der Unterschied war auffällig: die Gänge waren schmaler, die Wände roher, aus Schiefer. Wir begegneten Entwässerungsrohren und einer Flasche, Zeuge der bergbaulichen Vergangenheit. Eine Tür öffnete sich zu einem großen Saal. Wir gingen weiter in einen Gang, der zu einer Kreuzung führte, und bogen dann in einen schmaleren rechten Durchgang ein. Die Zeit verging leider schnell, und wir mussten umkehren, nachdem wir ein Foto vor einem alten Verteilerkasten gemacht hatten, um unsere Dekompression durchzuführen.
Praktische Informationen
Wie hinkommen?
Die Mine befindet sich in Schmallenberg, Deutschland, etwa 600 km von Paris entfernt ( GPS 51°.198974 N, 008°.273033 E ). Vor Ort stehen Hotels zur Verfügung. Genießen Sie die Gelegenheit, den Hennesee und die Wanderwege der Rothaargebirge mit der großen Sauerland-Schleife zu entdecken.

Anforderungen zum Tauchen
Das Tauchen in Felicitas unterliegt folgenden Voraussetzungen:
- Online-Reservierung obligatorisch, begleitet von einem Tauchschein, einem ärztlichen Attest und einer Versicherung.
- Autonome Taucher: Full Cave oder Cave2 Zertifizierung. Intro-To-Cave oder Cave1: obligatorisches betreutes Tauchen.
- Taucher ohne Höhlen- oder Minentauchqualifikation: geführte Tauchgänge werden angeboten.
- Voraussetzungen für geführte Tauchgänge: grundlegende technische Ausbildung, Erfahrung im kalten Wasser (mehr als 100 Trockenanzugtauchgänge), redundante Ausrüstung, geeignete Beleuchtung. Theoretische Einführung und Navigationstraining sind vorgesehen.
- Gas: Nitrox 32 oder Triox 30 X (Tiefe von 26-32 Metern).
- Betreuung: 1 erfahrener Führer in Höhlen und Minen pro Taucher.
- Gültige medizinische Untersuchung und Versicherung obligatorisch.

Öffnungszeiten und Preise
- Öffnungszeiten:Samstags und sonntags von 09:00 bis 18:00 Uhr. Andere Tage auf Anfrage:info@bergwerktauchen-felicitas.de.
- Preise:
- Nicht zertifizierte Taucher: 75 € (1 Tauchgang) oder 120 € (2 Tauchgänge am selben Tag) + Zugang zur Mine und zum Gas.
- Zertifizierte Taucher: Tageskarte für 59 €.

Einrichtungen
- Trockner Raum für die Lagerung und Vorbereitung der Ausrüstung (mit dem Auto zugänglich).
- Ausrüstungsgeschäft Santi.
- Kostenloser Kaffee.
- Toiletten.
- Füllen (komprimierte Luft, Nitrox, O2, Helium).
Kontakte und Informationen
- Website: www.bergwerktauchen-felicitas.de
- E-Mail: info@bergwerktauchen-felicitas.de
- Minenplan: www.bergwerktauchen-felicitas.de/karten.html
Dieser Artikel, ursprünglich von Kurt Storms für die Printausgabe von PLONGEZ! verfasst, wurde für das Web adaptiert.



