Am 6. Juni 1944 markierte der D-Day einen entscheidenden Wendepunkt der modernen Geschichte: Tausende Schiffe beteiligten sich am Sturm auf die Strände der Normandie. Unter den Überresten dieser gewaltigen Operation liegt heute das Wrack des Minensuchboots M-39 auf dem Meeresgrund – ein stiller Zeuge der Ereignisse jener Zeit.
Geschichte der M-39
Die M-39 war ein deutsches Minensuchboot des Typs M35 – wörtlich ein „Schiff zur Minensuche“. Sie lief am 8. August 1941 vom Stapel und wurde am 5. Mai 1942 in Dienst gestellt. Zunächst im Atlantik im Einsatz, wurde sie später in den Ärmelkanal verlegt, um Konvois zu eskortieren.
Am 24. Mai 1944 wurde sie vor Juno Beach von einem britischen Schnellboot torpediert. Das Schiff zerbrach in zwei Teile; sieben Besatzungsmitglieder verloren dabei ihr Leben.
Tauchen am Wrack
Das Wrack der M-39 liegt etwa acht Seemeilen nördlich von Courseulles-sur-Mer in einer Tiefe von 36 Metern – in einem Gebiet mit starken Gezeitenströmungen. Das Schiff ist in zwei Teile zerbrochen, die ein enges V bilden: Der hintere Abschnitt ist nach Steuerbord geneigt, während der vordere Teil relativ flach auf dem Meeresboden liegt.

Details zum Tauchgang
- Erforderliches Niveau: Nur für CMAS 2-Stern-Taucher bzw. Taucher mit dem französischen PE40 geeignet. Achtung: in Frankreich sind nicht alle bei uns gängigen Brevets anerkannt. Bitte vorher erkundigen!
- Tauchgang: Der Abstieg erfolgt in der Regel im Bereich der beiden Schrauben und ihrer Ruder. Bei guter Sicht lässt sich die Struktur des gesamten Wracks erfassen.
- Das Wrack: Taucher können unter die tiefste Schraube gelangen und zwischen den beiden Wrackteilen navigieren. Besonders interessant ist das Heckgeschütz, das heute in den Sand zeigt.
Im Laufe der Jahre hat sich die M-39 zu einem künstlichen Riff entwickelt. Fischschwärme, Krebstiere und Anemonen haben das Wrack besiedelt und machen den Tauchgang auch biologisch reizvoll.
Gedenkort
Die Wracks der Landung von 1944 sind mehr als nur Tauchziele – sie sind Mahnmale. Sie erinnern an die Opfer, die für die Befreiung Europas gebracht wurden. Ihre Erhaltung ist entscheidend, um das historische Gedächtnis für kommende Generationen zu bewahren.
Erhaltung und Herausforderungen
Wissenschaftliche Expeditionen und Unterwasser-Kartierungen dokumentieren regelmäßig den Zustand dieser Wracks. Dennoch sind sie durch Korrosion und Strömungen bedroht. Hinzu kommt, dass einige Schiffe noch umweltschädliche Stoffe enthalten, was zusätzliche Herausforderungen für ihren Schutz darstellt.
Jedes Jahr finden in der Normandie Gedenkveranstaltungen statt, um der gefallenen Soldaten zu erinnern. Die stillen, geschichtsträchtigen Meeresgründe führen eindrucksvoll vor Augen, wie sehr dieser Tag den Lauf der Welt verändert hat.
Merkmale der M-39
- Länge: 68,40 Meter
- Breite: 8,70 Meter
- Tiefgang: 2,65 Meter
- Geschwindigkeit: 18 Knoten
- Antrieb: 2 Lenz SE Turbinen, 2 Wagner Kessel
- Bewaffnung:
- 2 × 105-mm-Geschütze
- 2 × 37-mm-Flak
- 2 × 20-mm-Flak
- 30 Minen
- 2 Werfer für je 20 Wasserbomben
Praxis
Die beste Zeit, um die M-39 und andere Wracks der Region zu betauchen, liegt zwischen August und November, wenn die Sichtverhältnisse am günstigsten sind. Der Club Caen-Ouistreham Plongée organisiert regelmäßig Ausfahrten ab Ouistreham.

Zu entdeckende Orte in der Nähe
Wer das historische Erlebnis vertiefen möchte, findet in der Umgebung zahlreiche bedeutende Stätten:
- Juno Beach Centre (Courseulles-sur-Mer): Erinnerungsort für die 45.000 im Zweiten Weltkrieg gefallenen Kanadier, darunter 5.500 während der Normandie-Schlacht.
- Mémorial de Caen: Museum zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und Europas im 20. Jahrhundert.
- Arromanches: Überreste des künstlichen Hafens, der für die alliierte Landung errichtet wurde.
Diese Orte ergänzen das Taucherlebnis um eine eindrucksvolle historische Dimension und tragen dazu bei, die Erinnerung an diese Ereignisse lebendig zu halten.
Dieser Artikel, ursprünglich von Ludovic Madelaine für unsere Printausgabe verfasst, wurde für das Web angepasst.
Fotos: Ludovic Madelaine




