Im Korallenriff ist er schon von Weitem erkennbar: Mit seinen ungewöhnlichen, eleganten Flügeln ist der Rotfeuerfisch immer eine Attraktion für Taucher. Für die meisten Bewohner seines Reviers ist der langsame Wanderer dagegen alles andere als angenehm, denn er ist ein gefürchteter Raubfisch. Pterois volitans (beziehungsweise Pterois miles) ist einer der schönsten tropischen Fische. In Regionen, in denen er sich besorgniserregend ausgebreitet hat, ist er dennoch unerwünscht. Die Art gehört zur Familie der Drachenköpfe und wird manchmal auch Löwenfisch (vom englischen „Lionfish“) genannt.
Vom Roten Meer bis zu den polynesischen Inseln herrscht der Rotfeuerfisch in den Korallenriffen. Mal versteckt er sich unter einer Tischkoralle oder am Eingang einer Höhle, mal schwimmt er friedlich über dem Riff. Zu den fotogensten Fischen gehört er nicht wegen seiner eher unauffälligen Farben, sondern wegen der zarten Flügel an jedem seiner Strahlen, die wohl sogar eine Flamencotänzerin erblassen ließen.
Als schlechter Schwimmer bewegt er sich langsam fort, fürchtet aber kaum um sein Leben. Seine einzigen Feinde sind Muränen und, überraschenderweise, Flötenfische. Wer schon einmal nachts im Roten Meer oder im Indopazifik getaucht ist, wurde vermutlich schon von einem oder mehreren Exemplaren begleitet, die das Licht der Tauchlampe nutzen, um kleine, schlafende Fische zu jagen.

Steckbrief
- Name: pterois heißt auf Griechisch „geflügelt“, volitans auf Lateinisch „fliegend“
- Verbreitung: P. volitans lebt im gesamten tropischen Pazifik, P. miles im Indischen Ozean und im Roten Meer. Beide Arten sind inzwischen in der gesamten Karibik heimisch, im östlichen Mittelmeer kommt nur P. miles vor.
- Größe: bis zu 38 cm, mit beeindruckender Spannweite, wenn er die langen Brustflossen ausbreitet
- Fortpflanzung: im offenen Wasser, wo Männchen und Weibchen ihre Geschlechtszellen freisetzen. Die Larven wandern mehrere Wochen, bevor sie sich am Meeresboden ansiedeln. Die Lebensdauer beträgt etwa 10 Jahre.
- Hautlappen: Um seinen Mund und über den Augen befinden sich zwei Hautlappen und der pazifische Rotfeuerfisch hat Augenflecken, die mit zunehmendem Alter verschwinden.
- Flossen: Rücken- und Brustflossen haben freie, sehr lange, schleierartig bedeckte Strahlen. Schwanz- und Afterflosse sind fast durchsichtig mit vielen kleinen dunklen Punkten.
- Verhalten: Das breite Maul dehnt und öffnet sich in Sekundenbruchteilen und saugt vorbeischwimmende Beute wie kleine Fische und Krebstiere ein.
Drachenköpfe: Eine stechende Gattung
Die Feuerfische gehören zu den Drachenkopfartigen (Scorpaenidae). Die Gattung Pterois umfasst etwa zehn Arten. Neben P. volitans und P. miles ist unter Tauchern vor allem P. radiata, der Strahlenfeuerfisch, bekannt. Die Rücken-, Brust- und Beckenflossen tragen an der Basis jedes Stachelstrahls Giftdrüsen. Der Stich ist sehr schmerzhaft und kann manchmal tödlich sein.
Erste Hilfe bei einem Stich: Das Gift ist, wie für Skorpionfische typisch, thermolabil: Wärme macht es inaktiv.
- Das Opfer beruhigen und das betroffene Glied möglichst hochhalten
- Die Stelle erwärmen, so weit es geht, ohne die Haut zu verbrennen. Die Wirkung des Giftes lässt dann nach.
- Die Wunde reinigen
- So schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen
Unerwünschter Löwenfisch
Taucher und Aquarianer bewundern ihn gleichermaßen. So kam es, dass 1992 während des Hurrikans Andrew sechs Exemplare in Florida freigesetzt wurden. Es folgte eine langsame, aber unglaubliche Ausbreitung: In weniger als 15 Jahren besiedelte die Art die gesamte Karibik. Da er keine Fressfeinde hat, vermehrt er sich stark und frisst einheimische Arten, die dadurch vom Aussterben bedroht sind.
Sein Geschmack gilt als ausgezeichnet. Taucher und Jäger werden deshalb dazu aufgerufen, ihn unbegrenzt zu fangen, um die Ausbreitung einzudämmen. Entsprechend wächst die Zahl der Feuerfisch-Rezepte und seine Präsenz auf Restaurantkarten.
Auch im Mittelmeer ist er ein Problem. Dort kommt nur P. miles vor, als sogenannter Lessepsscher Migrant, der aus dem Roten Meer über den Suezkanal eingewandert ist. Er ist an den türkischen und libanesischen Küsten weit verbreitet und wurde bis nach Tunesien und Sizilien gesichtet. Jede Meldung hilft, seine Ausbreitung zu verfolgen.
Dieser Text wurde ursprünglich von Anthony Leydet für OCEANS Nr. 2 geschrieben und für das Web angepasst.
Fotos: Dominique Barray




