Das Tauchen „wie früher“ bietet ein einzigartiges Erlebnis – eine Rückkehr zu den Wurzeln des Gerätetauchens. Für einen Taucher, der 1989 im Alter von 15 Jahren seine ersten Tauchgänge absolvierte, ist dieses Abenteuer eine Gelegenheit, die Empfindungen einer vergangenen Ära wieder aufleben zu lassen. Ausgestattet mit sorgfältig erhaltenem Vintage-Equipment geht es darum, die Atmosphäre des Tauchens der 1960er-Jahre neu zu entdecken – ganz im Geist der ersten „Homo aquaticus“, wie Kommandant Cousteau die Pioniere der Unterwasserwelt treffend bezeichnete.

Die Vintage-Ausrüstung
Die zur Verfügung stehende Ausrüstung ist eine echte Hommage an die Geschichte des Tauchens:
- Mistral Atemregler
Ein klassisches Modell mit starrem, wenig flexiblem Gummimundstück. - „Bullauge“-Maske
Ohne Nasenerker – eine echte Herausforderung für den Druckausgleich. - Fenzy-Jacket
Kein modernes Tarierjacket, sondern eine rot-orange Fenzy mit integrierter 0,4-L-Notfallflasche. - JetFin-Flossen
Legendäre Vollgummiflossen mit klassischen Befestigungsschlaufen. - Instrumente
Ein Blasen-Tiefenmesser sowie ein mechanischer Dekompressionsmesser, deren Genauigkeit eher als Richtwert zu verstehen ist. - Atemregler
Mit mechanischem Reserveschalter, eingestellt auf etwa ±50 bar, ergänzt durch Schultergurte aus Baumwolle. - Tauchermesser
Am Bein getragen – ursprünglich vielseitig einsetzbar, unter anderem auch als Werkzeug. - Bleigürtel
Mit klassischer Metallschnalle, ursprünglich auch zur Befestigung von Zubehör konzipiert.
Vorbereitung und Tauchbedingungen
An diesem Sommertag im Mittelmeer gehen wir an Bord unseres Tauchbootes. Leider ließ sich kein Vintage-Anzug in passender Größe und gutem Zustand finden. Die Wassertemperatur von 24 °C erlaubt daher einen Tauchgang im Badeanzug.
Vor dem Einstieg wird die Ausrüstung sorgfältig überprüft. Der Gummiriemen der Maske reißt bereits beim Test – notgedrungen wird er durch einen modernen Silikonriemen ersetzt, was der Szene eine leicht ironische Note verleiht.

Der Mistral Atemregler ist an eine internationale Flaschenarmatur ohne Inflatorschlauch angeschlossen. Die Fenzy, obwohl funktionstüchtig, bleibt ungenutzt, da die kleine Notfallflasche leer ist. Auf zusätzliche Gewichte verzichte ich – ich fühle mich bereits ausreichend beschwert. Die Gummiflossen sind angelegt, es ist Zeit, ins Wasser zu gehen.
Tauchen ins Unbekannte
Zwei Helferinnen begleiten den Moment und halten ihn mit der Kamera fest, während ich mich auf den Sprung vorbereite. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Der Einstieg erfolgt als sauberer, gerader Sprung – mit dem Fokus darauf, die Ausrüstung eng am Körper zu halten. Das Gefühl, ins Wasser einzutauchen, ist einzigartig, doch zuerst müssen Sitz von Mundstück und Maske überprüft werden.
Nach einigen Flossenschlägen tauche ich kurz wieder auf, um einen allgemeinen Check durchzuführen. Die Maske läuft leicht an, bleibt jedoch unter Kontrolle. Erst beim erneuten Abtauchen beginnt der Tauchgang wirklich.
Mit jedem Meter wächst eine gewisse Vorsicht gegenüber dieser Ausrüstung aus einer anderen Zeit – zugleich aber auch die Aufregung, eine andere Art des Tauchens und eine ungewohnte Unterwasserwelt zu entdecken.

Rückkehr zu den ersten Abenteuern
Da ich den Tauchplatz gut kenne, weiß ich, was mich unter Wasser erwartet. Und doch ist das Erlebnis mit dieser Vintage-Ausrüstung ein völlig anderes. Gedanken gehen zurück an die frühen Taucher, die zum ersten Mal das Atmen unter Wasser entdeckten – und dabei eine lebendige, unberührte Flora und Fauna erkundeten, weit entfernt von heutigen Standards und Komfortzonen.
Dieses Vintage-Tauchen macht zugleich deutlich, welchen Stellenwert unsere moderne Ausrüstung hat: Flexibilität, widerstandsfähige Materialien, verlässliche Sicherheitssysteme und der Komfort heutiger Anzüge. All diese Entwicklungen haben das Tauchen sicherer, zugänglicher und angenehmer gemacht.
Erste Taucherinnerungen
Dieses Erlebnis hat mich in meine Jugend zurückversetzt. Mein erster Tauchgang im Neoprenanzug fand im Alter von sieben Jahren an der Spitze von Trefeutec in der Bucht von Douarnenez statt. Mein Vater half mir, die Flasche anzulegen, und ich entdeckte zum ersten Mal das Gefühl, unter Wasser zu atmen.
An diesem Tag habe ich vermutlich das „Tauchvirus“ in mir aufgenommen – eine Leidenschaft, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Zusammenfassend bietet dieses Vintage-Tauchen eine spannende Gelegenheit, die Wurzeln unserer Leidenschaft neu zu entdecken und zugleich den Komfort moderner Ausrüstung umso mehr zu schätzen.
Dieser Artikel, ursprünglich von Yann Valton für unsere Printausgabe OCEANS #2 geschrieben, wurde für das Web angepasst.
Fotos: Nicolas Barraqué.




