Tauchcomputer sind essentielle Werkzeuge zur Gewährleistung der Tauchsicherheit. Ihre Software selbst ist jedoch nicht zertifiziert, auch wenn die Kennzeichnung „CE“ dies auf den ersten Blick vermuten lassen könnte. Diese Kennzeichnung bezieht sich tatsächlich ausschließlich auf bestimmte Hardwarekomponenten wie Druck- und Zeitmesssensoren. Im Folgenden wird der regulatorische Rahmen näher erläutert.
Allgemeiner Regelungsrahmen
Die EU-Verordnung 2016/425 schreibt die CE-Kennzeichnung für persönliche Schutzausrüstung (PSA) vor, die innerhalb der Europäischen Union verkauft, vermietet oder verliehen wird. Ziel dieser Regelung ist es, die Gesundheit und Sicherheit der Nutzer zu gewährleisten und gleichzeitig den freien Warenverkehr konformer Ausrüstung sicherzustellen. Die Mitgliedstaaten dürfen den Vertrieb solcher Ausrüstung nicht behindern, sofern sie den Anforderungen entspricht.
CE-Kennzeichnung: beschränkt auf Druck- und Zeitmessung
Tiefenmesser sowie Geräte, die Tiefenmessung und automatische Zeitmessung kombinieren, gelten als Tauchzubehör und unterliegen der Norm NF EN 13319. Die Anforderungen an die Messgenauigkeit sind streng definiert:
- Druckmessung: Die Toleranz variiert je nach Tiefe, von -0,04 bar bis +0,08 bar bei 3 m bis hin zu -0,15 bar bis +0,10 bar bei 60 m
- Zeitmessung: Der Fehler darf ±1 Minute über einen Zeitraum von 120 Minuten nicht überschreiten.
Druck und Tiefe nicht verwechseln
Tauchinstrumente messen den Druck (Atmosphärendruck plus Wasserdruck) mithilfe eines piezoelektrischen Sensors. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- Wasserdichte: abhängig von Salzgehalt und Temperatur, die sich während des Tauchgangs verändern können
- Atmosphärischer Druck: in der Regel auf 1 bar oder 0,95 bar bei Tauchtabellen standardisiert
- Gesamtdruck: kann je nach Sensor und Kalibrierung leicht variieren

Beispiele für Tiefenberechnung
Nehmen wir ein Beispiel bei einem Gesamtdruck von 6 bar:
- Bei 1 bar Luftdruck: angezeigte Tiefe = 5 bar Wasserdruck → 50 Meter
- Bei 1,03 bar Luftdruck: angezeigte Tiefe = 4,97 bar Wasserdruck → 49,7 Meter
- Bei 1,02 bar (vereinfacht als Referenzwert): angezeigte Tiefe ≈ 48,7 Meter
- Bei 1,035 bar (Salzwasserbedingungen): angezeigte Tiefe ≈ 48,01 Meter
Damit kann die vom Tauchcomputer angezeigte Tiefe bei identischem Druck je nach Parametrierung um 1 bis 2 Meter variieren. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich nicht ausschließlich auf die angezeigten Messwerte zu verlassen.
Nicht normierte Software
Die Norm NF EN 13319 stellt klar, dass alle Informationen zu Dekompressionsverpflichtungen nicht in ihren Anwendungsbereich fallen. Die Software der Tauchcomputer ist daher nicht normiert, was zu deutlichen Abweichungen in den Ergebnissen zwischen verschiedenen Geräten führen kann.

Wiederholungstauchgänge
Das Haldane-Modell, das von den meisten Tauchcomputern verwendet wird, ist ursprünglich für einzelne Tauchgänge innerhalb eines Zeitfensters von 24 Stunden konzipiert. Bei Wiederholungstauchgängen liegt es im Ermessen des Herstellers, wie der zugrunde liegende Algorithmus erweitert oder angepasst wird. Tauchcomputer lassen sich dabei grob in drei Kategorien einteilen:
Kategorie 1: Geräte mit zusätzlichem Algorithmus für Wiederholungstauchgänge (z. B. Suunto, Scubapro, Aqualung)
Kategorie 2: Systeme, die sich als „reine Haldanier“ verstehen und ohne zusätzliche Anpassungsmodelle arbeiten (z. B. Shearwater, Garmin)
Kategorie 3: Geräte, die mit variablen Gradientenfaktoren arbeiten und dadurch eine stärker konservative Anpassung der Dekompressionsberechnung vornehmen (z. B. Mares Sirius)
Nicht normierte Fälle
Schnelle Aufstiege, Yo-Yo-Tauchprofile sowie das Überschreiten oder Auslassen von Sicherheitsstopps erhöhen das Risiko eines Dekompressionsunfalls erheblich. Diese Extremsituationen sind in den Standardmodellen jedoch nur begrenzt oder gar nicht abgebildet. Daher ist es entscheidend, dass Taucher stets aufmerksam bleiben und die in ihrer Ausbildung vermittelten Sicherheitsprotokolle konsequent anwenden.
Schlussfolgerung
Das Fehlen einer einheitlichen Normierung der Dekompressionsberechnungen sollte Taucher dazu anregen, die Funktionsweise ihres Tauchcomputers kritisch zu hinterfragen. Letztlich bleibt jeder Taucher selbst für seine Sicherheit verantwortlich und sollte sein Verhalten entsprechend fundierter Ausbildung und Erfahrung ausrichten.
Dieser Artikel, ursprünglich von Alain Foret für unsere Printausgabe verfasst, wurde für das Web angepasst.
Fotos: Nicolas Barraqué.
Quellen
- Art. 7, Verordnung (EU) 2016/425.
- A. A. Bühlmann, E. B. Vollm, P. Nussberger, Tauchmedizin, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 1990, 1993, 1995, 2002, S. 165 (Ausgabe 2002).
- Norm NF EN 13319.
- Haldane J.-S. et al., The Prevention of Decompression Air Illness, J. Hyg., 1908, S. 369–370.
- A. A. Bühlmann, Behavior of dive computer algorithms in repetitive dives: experience and needed modifications, in Hamilton R. W. (Hrsg.), The effectiveness of dive computers in repetitive diving, Undersea and Hyperbaric Medical Society, Inc., 1995.
- Bedienungsanleitung Sirius (Mares), S. 13.
- Foret A. und Frasquet E., Tauchcomputer und das Fehlen von Überbestrafung bei aufeinanderfolgenden Tauchgängen, Worldivers, ResearchGate, Dez. 2023.
- Reihe Plongée Plaisir, A. Foret, Éditions GAP.




