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Auf der Entdeckung des Seeigel-„Gehäuses“

Tauchen im Mittelmeer, beim Einstieg aus einer kleinen Bucht. Wenige Minuten später, in nur wenigen Metern Tiefe, mache ich eine unerwartete Begegnung: ein Seeigel-Gehäuse. Obwohl mein Tauchpartner seine Meinung äußert und mir rät, ihn liegen zu lassen, weiß ich, dass dieser natürliche Schatz meine volle Aufmerksamkeit verdient.

Ein Juwel der Natur

Das Seeigel-Gehäuse, das ich mit nach Hause nehme, ist weit mehr als ein einfaches Objekt. Er ist ein wahres Kunstwerk der Natur, leuchtend rosa gefärbt und von beeindruckender Symmetrie geprägt. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches „Gehäuse“, sondern um ein inneres Kalkskelett, das unter der dünnen Epidermis liegt. Im Gegensatz zu den Schalen oder Gehäusen vieler anderer wirbelloser Tiere ist es also ein echtes Endoskelett aus miteinander verbundenen Kalkplatten.

Seine Schönheit zeigt sich besonders in den Details, insbesondere in der komplexen Struktur der hexagonalen Kalkplatten, den sogenannten „Assules“. Diese Elemente faszinieren sowohl Architekten als auch Bioingenieure und zeugen eindrucksvoll von der Effizienz natürlicher Bauprinzipien.

Faszinierende Details der Mikroskopie von Korallen, die ihre komplexe und farbenfrohe Struktur offenbaren.
Montage zweier Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen, die das Gelenk zwischen Stachel und Seeigel-Gehäuse zeigen. Die Krone der rauen Vorsprünge an der Basis des Stachels stellt die Ansatzpunkte der Muskeln dar, die seine Bewegungen ermöglichen.

Faszinierende Anatomie

Bei näherer Betrachtung entdeckt man:

  • Ambulakralplatten: Fünf doppelte Reihen, durchzogen von feinen Poren, aus denen die Podien hervortreten. Diese weichen, beweglichen Röhrenfüßchen enden in einer klebrigen Scheibe, die es dem Seeigel ermöglicht, sich am Substrat festzuhalten und fortzubewegen. Neben ihrer Funktion für die Fortbewegung spielen die Ambulakralfüße auch eine entscheidende Rolle bei der Atmung, da sie durch ihre große Oberfläche und die dünne Epidermis einen effektiven Gasaustausch ermöglichen.
  • Interambulakralplatten mit Tuberkeln: Fünf breite Zonen sind mit kleinen, kugeligen Gelenkhöckern, den Tuberkeln, bedeckt. Jeder primäre Tuberkel trägt einen Stachel („Radiol“), der präzise bewegt werden kann. Kleinere Tuberkel sind mit feineren Stacheln besetzt, während einige zusätzlich Pedicellarien tragen. Diese zangenartigen Strukturen dienen der Reinigung der Oberfläche und helfen, unerwünschte Partikel oder Organismen zu entfernen.
  • Apikalfeld: Am höchsten Punkt des Gehäuses, rund um die Afteröffnung, befinden sich das sogenannte Apikalfeld. Über sie werden je nach Geschlecht Eier oder Spermien ins Wasser abgegeben. Die Madreporenplatte, die größte dieser fünf Platten, spielt eine zentrale Rolle: Sie ermöglicht den Wassereintritt, der für den Betrieb des hydraulischen Systems und damit für die Bewegung der Ambulakralfüßchen notwendig ist.

Eine Suche nach Wissen

Leider ist das gefundene Seeigel-Gehäuse nicht vollständig, da die sogenannte „Laterne des Aristoteles“, das fünfzahnige Mundwerkzeug dieses Echinoderms, fehlt. Diese Entdeckung weckt jedoch nur noch mehr Neugier. Für den nächsten Tauchgang nehme ich mir vor, mich nicht von vorbeiziehenden Barschen ablenken zu lassen – mit dem Ziel, einen lebenden Seeigel zu beobachten und seine Anatomie vollständig zu verstehen.

Bunte Details eines Seesterns, die die Schönheit der Unterwasserwelt offenbaren.
Detail des Seeigel-Gehäuses. Die Ambulacralzonen sind durch die Porenreihen gekennzeichnet, aus denen während des Lebens die Podien (Ambulakralfüßchen) hervortreten. Die interambulakralen Zonen tragen die kugeligen Gelenkhöcker (Tuberkel), an denen die Stacheln artikuliert sind.

Fazit

Das Seeigel-„Gehäuse“ zeigt trotz seiner unscheinbaren Erscheinung eine überraschende Komplexität und ästhetische Schönheit. Es handelt sich dabei nicht um eine äußere Schale, sondern um ein inneres Kalkskelett, das unter der dünnen Epidermis liegt und dem Tier als stabile Struktur dient.

Jeder Tauchgang bietet die Gelegenheit, solche Details neu zu entdecken und die Vielfalt des Meereslebens bewusster wahrzunehmen. Beim nächsten Abtauchen werde ich mit einem geschärften Blick unterwegs sein – bereit, die verborgenen Wunder unter der Oberfläche noch genauer zu erkunden.

Dieser Artikel, ursprünglich von Steven Weinberg für unsere Printausgabe verfasst, wurde für das Web angepasst.
Fotos: Steven Weinberg

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