Unter der Wasseroberfläche wartet ein faszinierendes Schauspiel von Farben auf Taucher und Naturfreunde. Ob leuchtend und kräftig oder dezent und einheitlich, die Farben der Fische sind nie zufällig. Sie spielen eine wesentliche Rolle in ihrem Leben: einen Partner anziehen, Raubtieren entkommen oder sich an die Umgebung anpassen. Tauchen wir ein in die faszinierende Welt der Meeresfarben und entdecken wir ihre Geheimnisse!

Der Ursprung der Farben: Pigmente und Physik
Aber woher kommen diese erstaunlichen Farbpaletten? Die Antwort liegt in spezialisierten Zellen, den Chromatophoren, und in den Gesetzen der Physik!
Die chemischen Farben: Die Pigmente am Werk
Die Mehrheit der Farben von Fischen wird durch Pigmente erzeugt, farbgebende Substanzen, die in Chromatophoren enthalten sind.

Diese sternförmigen Zellen sind in verschiedenen Körperteilen vorhanden: Haut (Dermis und Epidermis), Schuppen und sogar in den Augen. Man unterscheidet verschiedene Typen von Chromatophoren, von denen jeder für eine spezifische Farbe verantwortlich ist:
- Melanophoren: schwarzes Pigment
- Xanthophoren: gelbes Pigment
- Erythrophoren: rotes Pigment
- Cyanophoren: blaues Pigment
- Diese Pigmente kombinieren sich zu einer unendlichen Vielfalt von Schattierungen. Bewundern Sie etwa den Rotfeuerfisch (Cephalopholis miniata), geschmückt mit einem intensiven Rot, gepunktet mit Blau, oder den zweifarbigen Papageienfisch Männchen (Cetoscarus ocellatus), der einen herrlichen Blaugrün zeigt. Diese Farben, die aus Pigmenten stammen, werden als chemische Farben bezeichnet.
Die physikalischen Farben: Lichtspiele
Einige Farben entstehen nicht durch Pigmente, sondern durch physikalische Phänomene, die mit Licht zusammenhängen. Die Brechung, Reflexion und Beugung der Lichtstrahlen auf der Haut des Fisches erzeugen sogenannte physikalische Farben.

Les Iridophoren, spezielle Pigmentzellen, sind die Schöpfer dieser irisierenden und metallischen Effekte. Sie enthalten Mikrokristalle, die ihre Orientierung in Bezug auf das Licht ändern, und verleihen dem Fisch metallische grüne, violette oder blaue Reflexe, wie bei der grünen Demoiselle (Chromis viridis). Die Leukophoren, verantwortlich für die weiße Farbe, funktionieren auch, indem sie das Licht reflektieren.
Farben zum Kommunizieren und Überleben
In Korallenriffen, echten Farbexplosionen, ist die Anordnung der Muster nie zufällig. Lebhafte Farben, Flecken, Streifen, glänzende Reflexe: Jedes Muster hat eine Bedeutung und eine bestimmte Rolle im Leben der Fische.

Wechselnde Muster mit der Zeit
Die Farbe eines Fisches ist nicht festgelegt: Sie kann sich je nach Alter, Geschlecht oder Stimmung ändern! Der Kaiserfisch (Pomacanthus imperator) ist ein spektakuläres Beispiel für eine Transformation. Sein Erscheinungsbild ändert sich radikal in jedem Lebensstadium: juvenil, sub-adult und ausgewachsen. Jungfische zeigen blaue und weiße Ringe, die sich im Erwachsenenalter in gelbe und blaue horizontale Streifen verwandeln. Um die verschiedenen Muster zu beobachten, konsultieren Sie das Doris-Fischprofil der Art.

Le Zackenbarsch (Epinephelus fulva) ist ein weiterer Meister der Farbänderung. Er kann verschiedene Phasen der Färbung zeigen: eine normale rot-braune Phase, eine gelbe Phase (seltener), eine zweifarbige Phase (Stress) und eine gefleckte Phase (Nacht). Diese Transformationen, die schnell und reversibel sind, werden ebenfalls von Chromatophoren kontrolliert.
Den Partner verführen: das bunte Balzverhalten
Bei vielen Arten unterscheiden sich Männchen und Weibchen in ihren Farben. Bei den Pfauenlippfischen (Thalassoma pavo) und anderen Lippfischen geht der Geschlechtswechsel mit einer Farbumwandlung einher: Ältere Weibchen werden zu Männchen und ändern ihr Muster. Der Farbunterschied zwischen dem Männchen und dem Weibchen der gemeine Meerjunker (Coris julis) ist so ausgeprägt, dass sie lange als zwei verschiedene Arten betrachtet wurden!

Die Farbe des gemeine Meerjunker variiert sogar je nach Region, wobei einige atlantische Populationen unterschiedliche Muster zeigen. Beim Papageienfisch der Art Sparisoma cretenseist das Weibchen am farbenprächtigsten und trägt ein leuchtend rotes Kleid, während das Männchen unauffälliger ist, in Grau.
Während der Fortpflanzungszeit erreichen die Farben der Fische ihren Höhepunkt. Die Hochzeitsmuster, oft lebhafter und kontrastreicher, dienen der Verführung. Bei der Blaukoppjunker (Thalassoma bifasciatum) wird der Unterschied zwischen den Männchen während der Laichzeit noch deutlicher. Das Weibchen wählt ihren Partner je nach Farbintensität aus: Je bunter das Männchen, desto größer sind seine Chancen, sie zu verführen.
Raubtieren entkommen: Tarnung und Warnsignale
Korallenfische wetteifern mit Einfallsreichtum, um ihren Räubern zu entkommen. Korallen, mit ihren unzähligen Verstecken und ihrer hervorragenden Sichtbarkeit, ermöglichen es den Fischen, leuchtende Farben zu zeigen, während sie relativ sicher bleiben.

Die Tarnung des Auges: eine Überlebensstrategie
Raubtiere zielen oft auf den Kopf, eine anfällige Zone. Um ihre Augen zu schützen, haben einige Korallenfische einzigartige Tarntechniken entwickelt. Der Schmetterlingsfisch von Benett (Chaetodon bennetti) verbirgt sein Auge hinter einem schwarzen Band. Er zeigt auch einen schwarzen Fleck, der von einem weißen Ring umgeben ist, ein Fleckchen, der ein falsches Auge am hinteren Teil des Körpers imitiert. Dieser Trick verwirrt das Raubtier, das das falsche Ende angreift und dem Fisch Zeit gibt, in die entgegengesetzte Richtung zu entkommen. Andere Arten, wie der Gelbschwanz-Lippfisch (Anampses meleagrides), bevorzugen es, das Auge in einem Netz von Punkten zu versenken oder es in einem Netzwerk farbiger Linien zu tarnen, wie der Hornzancle (Zanclus cornutus) oder die Clownärztin (Acanthurus lineatus).
Die Streifen: Gemeinsamkeit macht das Rätsel
Fische, die in Schwärmen leben, verwenden eine andere Strategie: Streifen. Indem jeder einzelne in der Masse untertaucht, wird er schwer zu erkennen und verwirrt den Räuber, der nicht in der Lage ist, eine bestimmte Beute zu fokussieren.

Aposematische Farben: ein Warnsignal
Einige Arten zeigen lebhafte Farben, um ihre Giftigkeit zu signalisieren. Diese aposematischen Farben sind eine klare Warnung an die Raubtiere: „Vorsicht, ich bin gefährlich!“.

Le Mandarinfisch (Synchiropus splendidus), mit seinen schillernden Mustern, ist ein perfektes Beispiel für aposematische Färbung. Seine Haut enthält starke Gifte, die übermäßige Raubtiere abschrecken.
Die Kunst der Tarnung: sich in die Dekoration einfügen
Tarnung beschränkt sich nicht nur auf den Schutz vor Raubtieren. Sie ermöglicht es Fischen auch, im Hinterhalt zu jagen oder sich zum Ausruhen zu verstecken. DieHomochromie, die Fähigkeit, sich durch ihre Farbe an die Umgebung anzupassen, ist eine bemerkenswerte Anpassung.
Transparenz und Homochromie: garantierte Unsichtbarkeit
Pelagische Larven, die transparent sind, verschwinden in der Wassermasse. Einige Jugendliche behalten diese Transparenz bei, Skelett und Muskeln unsichtbar. Die Erwachsenenkleidung tritt allmählich mit dem Wachstum in Erscheinung.

Les Flachfische zeigen eine faszinierende Homochromie. Zu Beginn ihres Lebens haben sie eine klassische Form und symmetrische Färbung. Aber bei der Metamorphose verformt sich ihr Körper, ein Auge migriert und der Bauch wird weiß. Der Fisch setzt sich auf den Boden, und seine Oberseite nimmt die Farbe des Untergrunds an, sei es Sand, Felsen oder Algen.
Homochromie ist eine dynamische Tarnung: Die Chromatophoren passen die Farbe des Fisches an den Untergrund an. In den Posidonia-Wiesen verschmelzen die grünen Syngnathen (wie das Seepferdchen) mit den Blättern. In tropischen Riffen ahmen die Frittierfische Schwämme und weiche Korallen perfekt nach.

Die aktive Tarnung pelagischer Fische
Les Haie und andere pelagische Fische wenden eine dauerhafte aktive Tarnung an. Ihr zweifarbiger Körper, dunkler Rücken und weiße Unterseite, lässt sie unsichtbar erscheinen, wenn sie von oben (dunkler Meeresboden) oder von unten (helle Oberfläche) betrachtet werden. Der Thunfisch (Thunnus sp.) und der Blauhai (Prionace glauca) verwenden diese Tarnung, um Raubtieren zu entkommen.
Die disruptive Färbung: der gestreifte Pyjama
Mit Einbruch der Dämmerung ziehen einige Fische einen gestreiften schwarz-weißen „Pyjama“ an. Diese disruptive Färbung bricht ihre Silhouette und tarnt sie auf dem dunklen Hintergrund. Der Flötenfisch (Fistularia commersonii) zieht diese abendliche Kleidung bei Dämmerung an.
Der schützende Schatten der Höhlen
Fische, die in Höhlen oder unter Schutzräumen leben, nehmen dunkle Farben an oder verdunkeln ihr Kleid durch Konzentration ihrer schwarzen Pigmente (Melanophoren). Diese Abwesenheit von Kontrast macht sie in der Dunkelheit unauffällig.
Am Rand der üblichen Farben
Oktopusse und Kalmare: Meister des sofortigen Wandels
Fische sind nicht die einzigen Meister der Farbe. Oktopusse et Kalmare sind Virtuosen der Tarnung, die in der Lage sind, in einem Wimpernschlag ihre Farbe zu ändern. Ein Tintenfisch, der im Sand liegt, wird sandfarben werden.

Auf einem dunklen Hintergrund wird sie innerhalb weniger Sekunden dunkler. Sie kann sogar die Glieder einer Kette nachahmen! Diese schnelle Veränderung ist nervösen Ursprungs: Ein Nervensignal kontrahiert oder verteilt die Pigmente der Chromatophoren. Bei einem erschreckten Oktopus durchziehen Wellen von Farben seinen Körper.
In der Tiefsee: das Schwarz und die Biolumineszenz
In der Tiefsee, jenseits von 700 Metern Tiefe, herrscht völlige Dunkelheit. Die mesopelagischen Fische (bis zu 1000m) haben einen schwarzen Rücken und silberne Seiten, um sich zu tarnen. Die bathyalen et abysalen, tieferen Arten sind schwarz oder rot. Einige ultraschwarzen Fische, wie Anoplogaster cornuta, absorbieren 99,95% des Lichts und werden dadurch unmöglich zu fotografieren. Andere Arten produzieren ihr eigenes Licht, die Biolumineszenz, dank symbiotischer Bakterien. Diese „Photophoren“ geben ein blaues oder rot-orangenes Licht ab, möglicherweise um Raubtieren zu entkommen oder zu kommunizieren.
Farbabweichungen: Albinismus und Xanthismus
Farbabweichungen gibt es bei Fischen und anderen Meerestieren. DerAlbinismus ist das völlige oder teilweise Fehlen von Pigmenten. Albinos sind weiß mit roten Augen (sichtbares Hämoglobin). Weiße Wale und albinotische Torpedo-Rochen wurden beobachtet. Der Xanthismus ist eine weitere Anomalie, gekennzeichnet durch gelb-orangefarbene Haut aufgrund übermäßiger Xanthophoren. Xanthismus ist häufig bei Zackenbarschen, Meeräschen und Goldbrassen zu beobachten.
Dieser Artikel, ursprünglich von Pascaline Bodilis-Guillemain für die Printausgabe von PLONGEZ! geschrieben, wurde für das Web adaptiert.
Bilder © Nicolas Barraqué




