Auftauchen, ja… Aber in der richtigen Zone!
Beim Tauchen endet die Sicherheit nicht einfach mit dem Auftauchen an die Oberfläche. Man muss an der richtigen Stelle wieder auftauchen: Strand, Boot oder geschützte Zone. Dieser Austrittspunkt stellt das entscheidende Bindeglied zwischen Ihrem Unterwasserspielplatz und dem Festland dar. Leider können verschiedene Faktoren wie die Strömung diese Rückkehr erschweren, indem sie Sie weit weg vom aufmerksamen Blick des Seemanns oder außer Reichweite für Ihren Abholpunkt treiben, insbesondere im Rahmen des Technischen Tauchens, bei dem verlängerte Dekompressionszeiten das Warten auf die Oberfläche verlängern.

Wahre Geschichten über das Abdriften
Es gibt viele Berichte über Tauchgänge, die unerwartet endeten: Abdriften in den Durchfahrten der Malediven oder Polynesiens, starke Strömungen beim Erkunden der Wracks von Var oder Bretagne… Manchmal vergleichbar mit Zeichentrickszenen, in denen der Taucher, ähnlich einem Kojoten auf einer Rakete, völlig die Kontrolle über seinen Kurs verliert. Diese Zwischenfälle inspirierten sogar Katastrophenfilme. Ob man von Tauchern spricht, die in wenigen Minuten geborgen oder von Schiffbrüchigen, die stunden- oder gar tagelang im Blau umherirren—nur von ihrer Angst (und manchmal der Neugier von Hochseehaien) begleitet—, wird schnell klar: Dieses Risiko betrifft nicht nur ‚die anderen‘. Damit Ihre Abenteuer eine Quelle des Vergnügens und nicht der Angst bleiben, bietet Ihnen Plongez! eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen, unterstützt durch Erfahrungsberichte.

Authentische Erzählung: Eistauchen in den Calanques
Um die Bedeutung dieses Themas zu verdeutlichen, hier eine vom Autor erlebte Geschichte. März 2019, die Calanques sind mit Schnee bedeckt, eine Eiskrone auf dem Boot, und das Team fährt von Marseille aus, um trotz der schwierigen Wetterbedingungen den Impérial du Large zu erkunden: eisiger Mistral und leichter Wellengang aus Süden. Alles schien unter Kontrolle—abgesehen von einer mäßigen Oberflächenströmung—bis zum Zeitpunkt des Abtauchens. Ein Teamkollege wird durch ein Missgeschick mit seinem Anzug um ein paar Sekunden aufgehalten, was den Abstieg der Gruppe leicht verzögert. Um das Relief visuell zu finden, beschleunigt sich der Abstieg… 20 m, 40 m, 60 m… immer noch nichts im Licht der Lampen.
Ohne Bezugspunkte nach 3 Minuten wird die Entscheidung getroffen, aufzutauchen. Auf 40 m wird ein Sicherheitsparachute gestartet und bei 6 m sind nur noch zwei Minuten Dekompressionsstopp übrig. Doch kein Zeichen eines Bootes in der Umgebung: genug, um ernsthafte Besorgnis auszulösen…

Ein Kilometer Abdrift in wenigen Minuten
Beim Auftauchen erwartet die Gruppe eine Überraschung: Sie sind einen Kilometer südlich des Impérial du Large abgedriftet. Die Anweisungen werden gegeben: Alle auf den Rücken, kraftvoll und kontinuierlich in Richtung der Stimme des Anführers schwimmen, Parachutes hochziehen, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Aber nichts zu machen, die Wellen und der Wind halten sie fern; das Boot dreht sich im Kreis und ignoriert ihre Bemühungen. In diesem Moment bereut der Erzähler bitterlich, nicht in ein Sicherheitsgerät investiert zu haben, das alles verändert hätte…
Nebel und Entmutigungen
Nach etwa zwanzig Minuten Flossenschlag und während die Müdigkeit einsetzt, erscheint plötzlich der Nebel, der die ganze Gruppe in eine undurchsichtige Wand einhüllt. Keine visuelle Orientierung mehr, die Besorgnis wächst, aber der Entschluss siegt: Kompass in der Hand, doppelte Ermutigungen. Schließlich löst sich der Nebel auf, und obwohl noch weit vom Ziel entfernt, hält die Gruppe durch.
In Betracht ziehend, den widerstandsfähigsten von ihnen zur Hilfe zu schicken, erblickt die Bootscrew zufällig die Silhouette der Parachutes dank der gemeinsamen Anstrengungen aller. Nach nervenzehrenden Suchen und vielen Fragen an Bord („Sind sie am Abdriften? Welche Luftblasen sollen wir folgen?“) wird der Kontakt schließlich wiederhergestellt.

Rückkehr zur Sicherheit: die Erleichterung
Das Boot rast auf die Taucher zu und begrüßt ihre Rückkehr mit beruhigenden Gesten vor den in Schnee strahlenden Calanques. Die Lektion dieser Episode ist klar: Die Natur setzt immer ihre Regeln durch und erfordert Demut und Respekt. Hier hatte eine unerwartete Zwischenschichtströmung die Gruppe wie ein Förderband bewegt.
Seit diesem Tag trägt der Autor immer ein Notsignal mit sich und vermeidet jede Tauchfahrt ohne festen Bezugspunkt. Kein Tauchgang, so unwichtig er auch scheint, wird mehr als einfach betrachtet.

Gute Vorbereitung auf das Tauchen in der Strömung: Methodik und Sicherheit
Meistens sind kritische Situationen das Ergebnis mangelhafter Organisation oder unzureichender Kommunikation. Erfolgreiches Tauchen in der Strömung erfordert die Koordination zwischen Boot und Tauchgruppe, schnelle Entscheidungen und vor allem gesunden Menschenverstand. Hier ist eine Erinnerung an die wesentlichen Regeln:

Ein einwandfreies Briefing
- Klären Sie die Struktur der Tauchgruppe und die Rollen (Leiter, Positionierung links oder rechts).
- Definieren Sie präzise die Art des Wassereintritts, das Sammeln an der Oberfläche und den Umgang mit den BCDs.
- Planen Sie regelmäßige gegenseitige Kontrollen (Buddy-Check), Orientierung und klare Kommunikation unter Wasser.
- Entwickeln Sie eine Hauptroute sowie Plan B und C je nach den angetroffenen Bedingungen.
- Bestimmen Sie das Vorgehen im Falle eines verlorenen Tauchpartners oder eines isolierten Tauchers.
Jedes Detail zählt: Visualisieren, wiederholen und mentalisieren Sie den Ablauf Ihres Tauchgangs, bevor Sie ins Wasser gehen.

Optimieren der Fortbewegung unter Wasser
- Überprüfen Sie systematisch Ihre Ausrüstung (Flossen, Maske, Anzug), bevor Sie beginnen.
- Passen Sie Ihre Ausrüstung und Ihre körperliche Verfassung den Bedingungen des Tages an.
- Halten Sie immer einen zuverlässigen Anhaltspunkt (Fels, Lebenslinie).
- Planen Sie die benötigte Ausrüstung: Haken, Tauch-Scooter…
- Nutzen Sie den Grund, wenn nötig, aber vergessen Sie nie, dass die menschliche Sicherheit Priorität hat.
- Gehen Sie die Strömung frontal an, um die Fortbewegung zu starten.
Sichern Sie Ihre Rückkehr an die Oberfläche
- Lassen Sie Ihren Parachute so früh wie möglich los, auch in großer Tiefe, innerhalb der Überwachungszone des Kapitäns (verwenden Sie eine unverzichtbare Langstreckenspule).
- Bleiben Sie mit der Lebenslinie verbunden, wenn verfügbar (eine Leine kann helfen).
- Halten Sie Ihren Tauchpartner in der Nähe, besonders bei kritischen Handlungen (Parachuting, Gaswechsel).
Umgang mit Isolation und Abdrift
- Machen Sie schnell einen Punkt zu Ihrer Umgebung: Entfernung zu sicheren Zonen, Richtung von Strömung und Wind.
- Maximieren Sie Ihre Sichtbarkeit: entfalten Sie alle Parachutes, verwenden Sie Spiegel und befestigen Sie eine Trillerpfeife an Ihrer Ausrüstung. Bei Einbruch der Dunkelheit richten Sie das Licht Ihrer Lampe auf verdächtige Geräusche.
- Bewerten Sie Ihre Mobilität: Ein ausgerüsteter Taucher schwimmt mit 1-2 Knoten für 15 bis 30 Minuten. Überlegen Sie: Einen festen Punkt (Boot, Felsen) erreichen oder in der Strömung bleiben, um die Rettungskräfte zu erleichtern?
- Schätzen Sie die körperlichen Anstrengungen im Verhältnis zur angesammelten Kälte ein: Manchmal ist es die beste Option, sich zu schonen, ein anderes Mal muss man handeln.
- Halten Sie die Moral: Wie Alain Bombard in „Naufragé volontaire“ gezeigt hat, ist Entmutigung die Hauptursache für Versagen. Bleiben Sie kämpferisch!
Tauchen und neue Technologien: ein Plus für die Sicherheit
Auch wenn die Lösungen noch nicht zahlreich sind, können sie entscheidend sein. Die Nautilus Life-Boje ermöglicht es beispielsweise, einen digitalen ASN-Notruf mit GPS-Position in regelmäßigen Abständen zu senden. Wasserfeste Gehäuse für Smartphones (als Fotogehäuse verwendet) ermöglichen es auch, ein Telefon mitzuführen. Für weniger als 500€, ist es mittlerweile möglich, per VHF und GSM zu kommunizieren und dabei mobil zu bleiben.
Text: Nicolas Seksik
Fotos: Fabrice Dudenhofer
Dieser Artikel, ursprünglich von Nicolas Seksik für die Druckausgabe von PLONGEZ! geschrieben, wurde für das Web angepasst.




