Die Moses-Seezunge, bekannt unter dem wissenschaftlichen Namen Pardachirus marmoratus, ist ein faszinierender und einzigartiger Fisch. Entgegen einiger weit verbreiteter Meinungen handelt es sich nicht um einen Halb-Fisch, sondern eher um ein bemerkenswertes Beispiel für evolutionäre Anpassung an seine Umwelt. Woher stammt diese flache Form? Warum und wie hat sie sich entwickelt?
Morphologie und Merkmale
Auch genannt Milchseezunge, unterscheidet sich die Moses-Seezunge durch ihre zusammengedrückte und ovale Form, die im Erwachsenenalter bis zu 25 cm lang werden kann. Wie alle Arten der Plattfische gehört sie zur Ordnung der Pleuronectiformes, die durch eine seitliche Kompression statt einer echten Abflachung gekennzeichnet ist.
Die Färbung ihres Körpers variiert je nach Art des Substrats, oszillierend zwischen hellen und dunklen Brauntönen, abhängig vom Sand. Ihre marmorierte Haut ist mit hellen Flecken verziert, oft von einem dunkleren Bereich umrandet, mit gelben Nuancen. Die Muster erstrecken sich auch auf ihre Flossen, während ihre Bauchseite weiß ist, was ihr ermöglicht, sich in den Meeresboden einzufügen.
Beachten wir, dass die Moses-Seezunge keine Brustflossen besitzt. Stattdessen erstrecken sich ihre Rücken- und Afterflossen über die gesamte Länge ihres Körpers und enden kurz vor dem Schwanz. Kleine Hautauswüchse sind ebenfalls am Rand des Kopfes sichtbar.

Metamorphosen und Anpassung
Bei der Geburt ähneln die Jungfische der Moses-Seezunge klassischen Fischen, aber sie unterziehen sich Veränderungen im Laufe ihres Wachstums. Der Schädel formt sich neu, und ein Auge wandert auf eine Seite ihres Körpers. Bei den Mitgliedern der Familie der Soleidae, findet diese Wanderung zur rechten Seite statt. Die erwachsene Form ist somit asymmetrisch, mit einem linken Auge, das nach rechts gewandert ist. Diese Anordnung verleiht ihr ein erweitertes Sichtfeld.
Die Evolution der Plattfische ist das Ergebnis einer langsamen Anpassung, unterstützt durch Fossilien von Plattfischen, die 45 Millionen Jahre alt sind. Die Moses-Seezunge ist daher ein perfektes Beispiel für diese Anpassungsfähigkeit, da sie sich effektiv in ihrer Umwelt verstecken kann.
Lebensraum und Verhalten
Die Moses-Seezunge findet sich in flachen Küstengewässern, bevorzugt sandige und schlammige Böden in Tiefen zwischen 0 und 15 Metern. Sie wird häufig im Roten Meer und im Indischen Ozean beobachtet, vom Persischen Golf bis nach Sri Lanka, bis zu den australischen Küsten und Neukaledonien.
Diese Fische bewegen sich hauptsächlich auf dem Grund (benthische Organismen) und können sich im Substrat eingraben, wobei manchmal nur ihre Augen herausragen. Sie adoptieren eine diskrete Jagdtechnik, ernähren sich von kleinen Fischen, Krustentieren, Würmern und anderen Wirbellosen.
Tarnung und Überlebensstrategie
Ein Hauptvorteil der Moses-Seezunge ist ihre Fähigkeit, sich zu tarnen. Ihre flache Form und ihre sandähnlichen Farben ermöglichen es ihr, sich in ihre Umgebung einzufügen und den Blicken der Raubtiere und ihrer Beute zu entgehen.

Etymologie
Der Gattungsname, Pardachirus, kommt vom Lateinischen „pardus“ für Panther und „acheir“, was auf das Fehlen von Brustflossen hinweist. Der Artname marmoratus, erinnert an ihr marmoriertes Erscheinungsbild.
Rechte und chemische Abwehr
Der Begriff rechte zeigt an, dass ihre beiden Augen auf ihrer rechten Seite positioniert sind, was bedeutet, dass sie auf ihrer linken Flanke ruht, wenn sie sich ausruht.
Zur Verteidigung sondert die Moses-Seezunge eine ichthyotoxische Substanz ab, die an der Basis ihrer Rücken- und Afterflossenstrahlen produziert wird. Diese Substanz wirkt als abschreckendes Mittel gegen ihre Raubtiere.
Natürlicher Abwehrstoff gegen Haie
Die Pardaxin, in Kombination mit anderen chemischen Substanzen, reizt nicht nur die Kiemen der Raubtiere, sondern fungiert auch als starkes Abwehrmittel gegen Haie.
Klassifikation der Pleuronectiformes
Die Pleuronectiformes, etymologisch die Ordnung der „Fische mit ungleichen Seiten“, umfasst etwa ein Dutzend Familien, darunter die Seezungen, Flundern, Klieschen, Steinbutte und Plattfische, insgesamt mehr als 700 Arten.
Eine toxische Art
Die Moses-Seezunge, wie andere Seezungenarten, produziert toxische Substanzen, die als Abwehrstoffe gegen ihre Raubtiere wirken. Indem sie eine milchige ichthyotoxische Substanz absondert, verteidigt sie sich effektiv, insbesondere gegen kleine Fische.
Eine Gefahr für den Menschen?
Dank ihrer Größe stellt die Moses-Seezunge keine Gefahr für Taucher dar. Sie bleibt diskret und verlässt sich auf ihre Tarnung, um unentdeckt zu bleiben. Wird sie entdeckt, neigt sie dazu, zu fliehen.
Dieser Artikel, ursprünglich von Jean-Christophe Grignard für die Printausgabe von PLONGEZ! verfasst, wurde für das Web angepasst.
Fotos © Jean-Christophe Grignard, Illustration © Cyril Girard.




