Mit dem Siegeszug der digitalen Fotografie ist es heute kaum noch möglich, auf einem Bootsausflug keinem Unterwasserfotografen zu begegnen.Wenn Sie der Gedanke begeistert, die Schönheit Ihrer Tauchgänge in eindrucksvollen Bildern festzuhalten, dann zögern Sie nicht, dieser Leidenschaft zu folgen.
Die Technik
Eine spezielle Expertenausbildung ist nicht erforderlich – solide Grundkenntnisse im Tauchen sind jedoch Voraussetzung. Da beim Fotografieren eine Hand dauerhaft beschäftigt ist, müssen Sie Ihre Tarierweste in jeder Position sicher und intuitiv bedienen können – auch ohne hinzusehen. Eine präzise Feintarierung über die Atmung ist entscheidend. Fehlende Stabilität führt unweigerlich zu unscharfen Bildern. Bewegungen, Tarierung und Fortbewegung sollten automatisiert und fließend ablaufen. Das verbessert nicht nur die Qualität Ihrer Aufnahmen, sondern schützt gleichzeitig die Unterwasserwelt vor unbeabsichtigten Schäden. Wenn Sie viel Energie darauf verwenden müssen, sich im Wasser zu stabilisieren oder ständig nachzutarieren, sind Ihre Tauchfertigkeiten noch nicht ausreichend gefestigt.
Beginnen Sie mit dem Fotografieren in einer Tiefe von fünf bis zehn Metern. In diesem Bereich ist der Luftverbrauch geringer, die Tauchzeit länger – und durch das breitere Farbspektrum des Lichts fällt es leichter, Details wahrzunehmen und konzentriert zu arbeiten.
Die Erfahrung
Es empfiehlt sich, zunächst ein gewisses Maß an Praxis zu sammeln. Bedingungen wie Strömung, eingeschränkte Sicht oder Wellengang können das Fotografieren unter Wasser deutlich anspruchsvoller machen. Ein wichtiger erster Schritt besteht darin, die eigenen Abläufe und Kameraeinstellungen zu automatisieren. Erfahrenen Tauchern genügen dafür meist etwa zwanzig abwechslungsreiche Tauchgänge. Andere benötigen zwischen 50 und 100 Tauchgänge, um ausreichend Sicherheit in den Grundlagen zu entwickeln. Manche behaupten, es reiche aus, einfach abzutauchen und drauflos zu fotografieren. Ich empfehle, die Ergebnisse erst einmal in Ruhe an der Oberfläche zu betrachten …

Es ist nicht erforderlich, bereits Fotograf zu sein
Wer bereits Erfahrung in der terrestrischen Fotografie hat, bringt natürlich einen Vorteil mit – insbesondere im Umgang mit der eigenen Ausrüstung und den fotografischen Grundlagen wie Blende, Verschlusszeit und ISO. Unter Wasser jedoch beginnt vieles wieder bei null. Ob Sie mit dem Smartphone oder mit einer professionellen Kamera fotografieren: Entscheidend ist, die technischen Grundlagen sicher zu beherrschen, bevor Sie sich gezielt den Besonderheiten der Unterwasserfotografie widmen. Zudem gibt es innerhalb der Unterwasserfotografie unterschiedliche Ausbildungsstufen. In Frankreich wie auch international werden zahlreiche Kurse und Workshops angeboten – häufig geleitet von renommierten Fotografen. Nicht zuletzt ist auch eine gute Kenntnis der Meeresbiologie von großem Vorteil. Wer Arten sicher bestimmen, ihr Verhalten einschätzen und Bewegungsmuster verstehen kann, erhöht die Chancen auf außergewöhnliche Aufnahmen erheblich.
Welche Bilder?
Beginnen Sie mit der Makrofotografie – also mit Nahaufnahmen. So erzielen Sie schnell erste Erfolgserlebnisse. Konzentrieren Sie sich zunächst auf unbewegliche Motive wie Nacktschnecken, Korallen, Anemonen oder Gorgonien. Das gibt Ihnen die nötige Zeit, Ihre Kamera sorgfältig einzustellen, Fokus, Bildausschnitt und Belichtung optimal abzustimmen und ein Gefühl für Ihre Ausrüstung zu entwickeln. Machen Sie sich dabei auch mit den Einstellungen Ihrer Blitzgeräte vertraut. Im nächsten Schritt können Sie sich beweglichen Motiven wie Krebstieren oder Fischen widmen. Später kommt der Weitwinkel zum Einsatz – etwa für größere Meeresbewohner wie Wale oder um eindrucksvolle Unterwasserlandschaften und Stimmungen festzuhalten.
Welche Ausrüstung?
Sobald Sie die Technik sicher beherrschen und ausreichend Erfahrung gesammelt haben, können Sie über die Investition in eine spiegellose Vollformatkamera mit zwei Blitzgeräten nachdenken. Mit etwas Übung werden Sie sich schnell an die Handhabung gewöhnen und die notwendigen Einstellungen routiniert vornehmen. Für Einsteiger bietet sich jedoch zunächst ein Smartphone-Gehäuse an – vor allem dann, wenn das Smartphone an der Oberfläche bereits gute Bilder liefert. Diese Gehäuse sind kompakt, vergleichsweise erschwinglich und unter Wasser einfach zu bedienen. Sie ermöglichen sowohl Makro- als auch Weitwinkelaufnahmen während desselben Tauchgangs. Ein Orangefilter kann zudem helfen, bei Videoaufnahmen in Tiefen unter zehn Metern die Farben natürlicher und intensiver wirken zu lassen. Auch Kompaktkameras sind eine interessante Alternative für Anfänger. Viele Hersteller bieten leistungsstarke Modelle zu wettbewerbsfähigen Preisen an – oft vergleichbar mit hochwertigen Smartphones.
Preislich sollten Sie bei einer Kompaktlösung mit etwa 500 bis 1.000 Euro für die Kamera rechnen. Hinzu kommen mindestens 500 Euro für ein Kunststoffgehäuse (robustere Aluminiumgehäuse liegen eher bei rund 1.000 Euro) sowie etwa 500 Euro für ein Blitzgerät, um das Setup sinnvoll zu ergänzen. Im gehobenen Segment beginnen spiegellose Vollformatkameras bei rund 2.500 Euro für den Kamerabody. Für ein passendes Unterwassergehäuse müssen Sie mit etwa 3.000 Euro rechnen – ohne weiteres Zubehör.
Bedenken Sie: Unterwasserfotografie ist eine kostenintensive Leidenschaft. Informieren Sie sich daher gründlich über Preise für Gehäuse, Blitzgeräte, Domeports und weiteres Zubehör, bevor Sie investieren. Der Gebrauchtmarkt kann dabei eine attraktive Möglichkeit sein, hochwertiges Equipment zu einem deutlich besseren Preis zu erwerben.
Dieser Artikel wurde ursprünglich von Antoine Mettra für die Printausgabe von PLONGEZ! geschrieben und für das Web angepasst.



