Einige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs trainieren zwei Piloten im Tiefflug – so nah über der Wasseroberfläche, dass kaum Spielraum für Fehler bleibt. Ihre Flugbahnen kreuzen sich. Keiner bemerkt den anderen. Die Kollision ist unausweichlich.
Eines der Flugzeuge explodiert in der Luft, Trümmer regnen über mehrere Kilometer ins Meer. Für den einen Piloten endet der Flug tödlich. Der andere hat mehr Glück: Es gelingt ihm, sein schwer beschädigtes Flugzeug auf dem Wasser notzulanden. Doch die Maschine sinkt rasch.
Das Wrack kommt in etwa 30 Metern Tiefe zum Liegen – und bleibt dort jahrzehntelang unentdeckt. Erst 1990 wird es wiedergefunden, erstaunlich gut erhalten.
Doch die Zeit und der Mensch hinterlassen Spuren. Schleppnetze beschädigen das Leitwerk, und bei einem jüngeren Plünderungsfall werden Teile des Cockpits demontiert und der linke Flügel aufgeschnitten, um das Maschinengewehr zu bergen.
Ein eindrucksvolles, aber zugleich fragiles Zeugnis der Geschichte, das die Notwendigkeit seines Schutzes eindringlich vor Augen führt.
Die Junkers Ju 52 vor Bastia: Eine zufällige Entdeckung
Die Liste der Wracks rund um Korsika wächst stetig weiter (siehe Plongez! Nr. 32).
Kürzlich machte Tony Viacara bei einem Apnoe-Training südlich von Bastia eine überraschende Entdeckung: eine Junkers Ju 52. Mit fast 30 Metern Spannweite und 19 Metern Länge war sie einst ein imposanter Bomber. Heute sind nur noch das Heckleitwerk, ein Motor, Fragmente der Tragflächen und verstreute Trümmer erhalten.
Der schlechte Zustand ist sowohl auf die Gewalt des Absturzes als auch auf spätere Schleppnetzfischerei zurückzuführen. Das Wrack liegt in 26 Metern Tiefe auf sandigem Grund, durchsetzt mit Seegras – ein Ort, der trotz seines Zustands für Taucher interessant bleibt.
Der Martin B-26 Marauder von Lavasina: Fast unversehrt
In 63 Metern Tiefe liegt eines der am besten erhaltenen Wracks der Insel: ein B-26 Marauder.
Am 12. Juli 1944 war das Flugzeug Teil einer Formation von zwölf Maschinen auf dem Weg nach Italien. Nach einem Treffer durch feindliches Feuer musste die Besatzung eine Notwasserung durchführen – ein Manöver, das ihnen das Leben rettete.
Die vergleichsweise sanfte Landung erklärt den außergewöhnlich guten Erhaltungszustand des Wracks. Zwar zeigen Cockpit und Struktur Spuren der Zeit und Beschädigungen durch Schleppnetze, doch die charakteristische, rund verglaste Nase ist noch immer intakt.

Der Heinkel He 111 vor Bastia: Am Hafeneingang
Die genauen Umstände des Absturzes bleiben unklar. Vermutlich wurde die Maschine im September 1943 abgeschossen.
Heute liegt sie in 33 Metern Tiefe am Eingang des Hafens von Bastia. Der zweimotorige Bomber, der auch als Transportflugzeug eingesetzt werden konnte, ist eindeutig als Kriegsrelikt erkennbar.
Die Erkundung wird häufig durch schlechte Sicht und einen schlammigen Untergrund erschwert. Dennoch lohnt sich der Tauchgang: Im Inneren sind noch Sauerstoffflaschen zu erkennen, einst für die Versorgung der Besatzung in großen Höhen gedacht.

Luftkampf unter Wasser: Zwei Republic P-47 Thunderbolt auf einen Blick
Nahe dem Hafen von Taverna erwartet Taucher ein außergewöhnlicher Spot: zwei Wracks in unmittelbarer Nähe.
Die beiden P-47 liegen nur etwa 50 Meter voneinander entfernt auf sandigem Grund, am Rand eines Neptungrasfeldes. Die geringe Tiefe macht den Tauchgang auch für weniger erfahrene Taucher zugänglich.
Eine der Maschinen ist noch weitgehend vollständig erhalten, während von der zweiten nur Cockpit und Motor übrig sind. Zwischen bunten Schwämmen und im Licht der Tauchlampen entfalten die Wracks eine ganz eigene Ästhetik – und bieten Lebensraum für zahlreiche Arten wie Lippfische, Schleimfische oder Kardinalfische.
Das „namenlose Wrack“: Ein Schiff mit viel Leben
Lange Zeit blieb dieses Wrack ohne Identität – bis es dank der Recherchen von Stéphane Blouin (Club Oxygène Plongée) vermutlich als Sylvia Honorato identifiziert werden konnte.
Die 1895 gebaute Yacht blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: 1918 von der Marine übernommen, wurde sie als Patrouillenboot (La Luciole) eingesetzt und später als Küstenschiff zwischen Korsika und Sardinien genutzt.
1943 wurde sie von einem britischen U-Boot torpediert und sank auf 56 Meter Tiefe. Heute ist das Wrack eine wahre Oase des Lebens, bedeckt mit Gorgonien und bevölkert von Fischen, Nacktschnecken und Krebstieren.
Der North American P-51 Mustang von Rupione: Auf weißem Sand
Die P-51 Mustang gilt als eines der leistungsfähigsten Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkriegs von der über 15.000 Exemplare gebaut wurden.
Die Maschine von Rupione, geflogen vom jungen Unterleutnant Donald Taylor, wurde am 5. Juli 1944 nach einem Einsatz über der Halbinsel Isolella abgeschossen.
Heute liegen ihre Überreste in 19 Metern Tiefe nördlich des Golfs von Ajaccio auf hellem Sandgrund. Das Wrack ist gut zugänglich und bei Tauchern besonders beliebt. Teile des Flugzeugs sind von bunten Schwämmen überzogen, die ihm ein fast surreales Aussehen verleihen.

Die Republic P-47 Thunderbolt von Punta d’Arcu: Ein stilles Grab
Dieses Wrack liegt in 45 Metern Tiefe und ist erfahrenen Tauchern vorbehalten.
Der Rumpf ist beschädigt, doch das Cockpit wirkt nahezu unversehrt – ein Detail, das vermuten lässt, dass sich die sterblichen Überreste des Piloten noch im Inneren befinden. Diese Möglichkeit verleiht dem Tauchgang eine besondere, beinahe ehrfürchtige Atmosphäre.
Trotz der oft hervorragenden Sichtverhältnisse vor Korsika ist eine gute Lampe notwendig, um die von Kalkorganismen überzogenen Strukturen zu erkennen, zwischen denen sich mitunter auch Langusten verbergen.
Dieser Artikel, ursprünglich von Isabelle Croizeau für die Printausgabe geschrieben, wurde für das Web angepasst.
Bilder © Tony Viacara, Dominique Barray und Nicolas Barraqué




