Im Oktober feierte Korsika den 80. Jahrestag seiner Befreiung. 1943 wurde die Insel zu einer strategischen Basis der Alliierten – unter dem Codenamen „USS Corsica“. Ein wahrer stationärer Flugzeugträger, der es den Luftstreitkräften ermöglichte, die Kontrolle über das Mittelmeer zu sichern.
Heute können Taucher die zahlreichen Relikte des Zweiten Weltkriegs erkunden, die vor der Küste der Insel liegen und von dieser bewegten Zeit zeugen.
Beeindruckende Militärpräsenz
Auf dem Höhepunkt der alliierten Rückeroberung waren auf Korsika rund 50.000 US-Soldaten stationiert, unterstützt von 17 Luftwaffenstützpunkten und etwa 2.000 Flugzeugen. Jäger, Bomber und Aufklärungsmaschinen starteten von hier aus zu riskanten Einsätzen und trafen dabei häufig auf die gefürchtete deutsche Luftwaffe.
Die meisten der während des Krieges errichteten Flugplätze – vor allem in der östlichen Ebene – sind heute verschwunden. In Betrieb geblieben sind lediglich der Flughafen Bastia sowie die Luftwaffenbasis Solenzara (BA 126).
Die Wracks: Unterwasserschätze
Die Gewässer rund um Korsika sind reich an Flugzeug- und Schiffswracks – militärische wie zivile Relikte, die von den erbitterten Kämpfen über dem Mittelmeer zeugen. Schätzungen zufolge liegen etwa 1.000 Wracks rund um die Insel, von denen bislang nur rund 400 lokalisiert wurden.
Für Taucher bedeutet das: Es gibt noch immer viel zu entdecken – und jeder Tauchgang kann zur Begegnung mit einem bislang unbekannten Stück Geschichte werden.
Tauchen auf historischen Schauplätzen
Wir laden Sie ein, einige dieser emblematischen Wracks zu entdecken, darunter die B-17 vor Calvi oder die Insuma, die sowohl für ihre Geschichte als auch für ihren bemerkenswerten Erhaltungszustand bekannt ist.
Einige Wracks liegen in großen Tiefen und sind erfahrenen Tauchern vorbehalten, während andere in 15 bis 20 Metern Tiefe auch für Einsteiger erreichbar sind. Das Eintauchen in diese Zeitzeugen ist in jedem Fall ein eindrucksvolles Erlebnis.
Dabei darf man nie vergessen: Diese Wracks sind auch letzte Ruhestätten. Sie erinnern an die Menschen, die hier ihr Leben verloren haben. Entsprechend gilt es, sie mit Respekt zu behandeln – ohne etwas zu berühren, zu beschädigen oder zu bergen.
Tony Viacara: Leidenschaft für Wracks
Tony Viacara ist Fotograf und Kameramann – und leidenschaftlicher Wrackforscher. Aufgewachsen in Bastia, kam er schon früh mit dieser Welt in Berührung, als er seinem Vater half, in Wracks verfangene Fischernetze zu bergen. Diese Erfahrungen weckten seine Faszination für die verborgenen Relikte unter der Wasseroberfläche.
Heute sammelt er Hinweise von Fischern, Freitauchern und Historikern wie Dominique Taddéi. Seine Recherchen sind akribisch – oft verschiebt er Tauchgänge, um seine Daten weiter zu verfeinern und neue Fundorte gezielt zu erkunden.
Aktuell ist er auf der Suche nach einem im Zweiten Weltkrieg vor Cap Corse gesunkenen U-Boot. Erste Hinweise stimmen ihn optimistisch. Kürzlich gelang es ihm zudem, ein Flugzeugwrack in 66 Metern Tiefe zu identifizieren – vermutlich eine P-47.
Gleichzeitig engagiert sich Tony gegen die Plünderung von Wracks. Mit seinen Bildern sensibilisiert er für deren Schutz und setzt sich für eine bessere Kennzeichnung der Fundstellen ein – nach dem Vorbild anderer Länder.

Die Zukunft der Entdeckungen
Tony Viacara bei einem Tauchgang in den klaren Gewässern Korsikas – seinem bevorzugten „Jagdrevier“.
Die letzte Reise von Antoine de Saint-Exupéry
„Da ich nicht im Krieg gestorben bin, tausche ich mich gegen etwas anderes als Krieg …“ schrieb Antoine de Saint-Exupéry Ende 1942.
Während er an seinem Werk Citadelle arbeitete, nahm er 1943 erneut den Flugdienst auf. Am 31. Juli 1944 startete er von Korsika zu einem Aufklärungsflug – an Bord einer Lockheed P-38 Lightning. Es sollte seine letzte Mission sein.
Heute erinnert ein Gedenkstein in Bastia an ihn und würdigt seine einzigartige Verbindung von Literatur und Luftfahrt.
Dieser Artikel, ursprünglich von Isabelle Croizeau für die Printausgabe verfasst, wurde für das Web angepasst.




